Es besteht kein Zweifel, dass es diesen Unterschied gibt, der vielleicht nur in Nuancen zu spüren ist, aber der sich bei jedem fest einbrennt. Es ist der kleine Unterschied, der Kevin Durant von Danny Granger trennt. Oder Deron Williams von Jameer Nelson. Beispiele lassen sich genug finden, aber was genau macht diesen Unterschied aus? Natürlich habe auch ich kein Patentrezept darauf, aber zwei Spiele des letzten Wochenendes - Boston gegen Dallas und Ohio State gegen Georgia Tech - lassen zumindest erahnen, wo er zu sehen ist.
Zum Beispiel im Ehrgeiz, umgewandelt in unbändigen Einsatz: Paul Pierce zeigte ihn gegen Dallas, als das Spiel im dritten Viertel nach deutlicher Führung der Celtics zu kippen drohte. Ray Allen traf plötzlich nicht mehr, Rajon Rondo war ebenso nur physisch anwesend, während Dirk Nowitzki damit begann, so ziemlich jeden Wurf zu treffen, den er wollte. Zwei, drei energische Drives zum Korb, einer davon mit dem berühmten Zusatz "and one" versehen, ein clever gezogenes Offensivfoul - mindestens die Hälfte der in der NBA aktiven Spieler hätten einen Fuß in der sog. restricted area gehabt - und schon verhalf er seinem Team zur Führung nach dem dritten Viertel. Genauso entschlossen war sein Ehrgeiz, als er aufs parkett zurückkam und Dallas gerade den Vorsprung auf sieben Punkte ausgebaut hatte. Ein Turnaround-Jumper, in der Schlussphase der Ballgewinn plus Vorlage auf Rondo und schließlich der Dreier, der Boston den Sieg sicherte und der auch nur von Pierce getroffen werden konnte. Viele redeten hinterher von Rondo als Gamewinner, aber nicht nur aufgrund seiner Höchstpunktzahl von 29 an diesem Abend war das Pierce - als es darauf ankam, war er da. Dass er vielleicht nicht zu den außergewöhnlichsten Spielern der Liga gehört, konnte man dann gestern gegen Utah sehen, als er eben jene Mentalität vermissen ließ. Aber kaum jemand wird bestreiten wollen, dass Pierce von Zeit zu Zeit in genau diesen Modus findet, der von Bill Simmons in zutreffendster Weise mit dem Satz beschrieben wird: "There's no way I will lose this effing game."
Ähnliches ließ sich auch in der zweiten Runde der March Madness verfolgen, als die Ohio State Buckeyes in der ersten Hälfte gegen Georgia Tech doch gehörige Probleme hatten, ins Spiel zu finden. Evan Turner hat nach einem eher durchwachsenen Auftakt auch einen schweren Start in dieses Spiel gehabt, aber man hat ihm auch angemerkt, dass er bereit war, sein Team zu tragen. Diebler, in der ersten Runde gegen Santa Barbara noch traumwandlerisch sicher aus der Distanz, setzte jeden seiner Dreierversuche auf den Ring. Bufford war ebenso ein Nonfactor, Lighty war....naja, Lighty eben. Im Rahmen seiner Möglichkeiten ok, aber nach wie vor ein furchtbarer Guard (was aber gegen den - let's say it - erbärmlichen Kader der Yellow Jackets nicht so extrem auffiel). Turner mag nicht die beste Wurfquote gehabt haben, aber er hat trotzdem jedem, der das Spiel gesehen hat, das Gefühl vermittelt: Ich lasse nicht zu, dass Ohio State dieses Spiel verliert. Heute ist für uns dieses Turnier nicht vorbei. Es ist kein Zufall, dass Turner zwei Drittel seiner Punkte im ersten Durchgang markierte - und auch wenn es blöd klingen mag, sie waren dort wesentlich wertvoller als im zweiten Durchgang, als Diebler wieder seinen Touch fand, Bufford aus seiner Lethargie erwachte und Lighty für die Phase des 14-2 Laufes sogar wie ein passabler Guard aussah. Es spricht übrigens für Turner, dass er sich dem Rhythmus des Spiels anpasste und seine Teamkollegen, sobald sie besser trafen, spürbar öfter in Szene setzte.
Jedenfalls, um diesen Gedanken abzuschließen: Außergewöhnliche Spieler zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihr Team in den wichtigsten Phasen des Spiels tragen. Dass sie diesen Willen, ein Spiel zu gewinnen, wesentlich stärker zeigen als jeder andere auf dem Court. Und man hat am Wochenende gemerkt, dass den Kansas Jayhawks genau dieser Spielertypus gefehlt hat - niemand zeigte wirklich, dass er dieses Spiel gewinnen wollte. Jeder schob die Verantwortung ab und so kam es, wie es kommen musste: Einer der größeren Upsets in der Geschichte der March Madness fand statt. In den letzten Tagen sind über diese Partie und Ali Farokhmanesh gefühlt Millionen von Artikeln, Blogeinträgen und Fernsehreportagen erschienen. Eine der meiner Meinung nach besten Veröffentlichungen dazu stammt aus Deutschland, genauer gesagt aus der Gruebelei, und sollte als Pflichtlektüre gelten.
Zum Abschluss noch meine zwei Cents für das Sweet Sixteen in Form der Prognose für das Elite Eight. Hat sich im bisherigen Verlauf der March Madness zwar als völlig unbrauchbar herausgestellt, da es eh immer wieder Außernseiter schaffen, aber was soll's:
East Region: Kentucky vs. West Virginia
Midwest Region: Ohio State vs. Michigan State
West Region: Syracuse vs. Kansas State
South Region: St. Mary's vs. Duke (Weil St. Mary's System Center + 3000 Shooter in der NCAA zu gut funktioniert)
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Dienstag, 23. März 2010
Samstag, 20. März 2010
Beobachtungen
Bislang habe ich die NCAA-Saison kaum verfolgt. Klar, das eine oder andere Spiel von Kentucky oder Gonzaga, einer gewissen Prise Patriotismus sei Dank, hat man gesehen, aber seitdem mich ein schlechter Kabelempfang in der neuen Wohnung um NASN/ESPN America brachte, ließ das Interesse am College-Basketball doch stark nach. Mit Beginn der March Madness entflammte selbiges aber wieder, weshalb ich mich am Donnerstag nach stundenlangem Hören von Podcasts und Studium der eingängigen Seiten halbwegs vorbereitet die Partie zwischen Robert Morris und Villanova sah.
Dass die South Region die wohl schwächste Region im diesjährigen Turnier ist, war schon vorher eingängige Meinung. Wer sieht, wie sich Villanova als zweiter Seed präsentiert, weiß auch, warum. Völlig uninspiriertes Spiel, gnadenlose Unterlegenheit im Rebounding und eine Anzahl schlechter Würfe, wie sie selbst auf NCAA-Niveau unüblich ist. Der Backcourt der Wildcats, Fisher und Reynolds, haben mich alles andere als überzeugt. Dabei fand ich gerade Fisher unterirdisch schlecht: Katastrophale Wurfauswahl (in der Hinsicht schlechtester in seinem Team), kein Bemühen, seine Mitspieler besser zu machen und eine lasche Verteidigung. Ich dachte eigentlich, dass das Spiel mit dem Dreier plus Foul von Karon Abraham (Wieso hat er mich die ganze Zeit an Nate Robinson erinnert?) zu Gunsten des Underdogs gelaufen sei, aber die Referees haben scheinbar eine nicht unerhebliche Menge Geld auf Villanova gesetzt. Ich bin zwar kein Fan davon, Niederlagen auf die Schiedsrichter zu schieben, aber seht euch die Schlussphase der regulären Spielzeit an - unglaublich, was da gepfiffen wurde.
Das zweite Spiel an diesem ersten richtigen Tag der March Madness war der Upset der Bobcats gegen die Hoyas, allerdings nur zur Hälfte gesehen. Das Resultat kennt jeder, das Spiel war eher selten wirklich spannend und mein Fokus lag auf Greg Monroe, immerhin Top 10-Material in den meisten Mock Drafts. Teilweise überhasteten Aktionen zum Trotz muss ich sagen, dass ich ihn schon beeindruckend fand: Vielfältiges Offensiv-Repertoire, starkes Rebounding und vor allem ein extrem gutes Auge für die Mitspieler. Es darf natürlich die Frage erlaubt sein, ob er mit seiner etwas unathletischen Spielweise in der NBA Erfolg haben wird, aber ich sehe in ihm mehr Potential als beispielsweise Hasheem Thabett, immerhin zweiter Pick des diesjährigen Drafts. OK, ist auch nicht besonders schwer, aber immerhin.
Letztes gesehenes Spiel der ersten Runde war das Aufeinandertreffen von Ohio State und Santa Clara. Um es kurz zu machen: Jedes Team, das bereits über einen guten Point Guard verfügt (und das sind mittlerweile recht viele), sollte sich ernsthafte GEdanken machen, Evan Turner an Eins zu wählen. Auch wenn er gestern sicherlich nicht seinen größten Auftritt hatte: Ein 6'7-Spieler, der das Ballhandling eines Point Guards hat und dazu dominant an den Boards auftritt (von seinen zehn Rebounds holte er die wenigsten, weil er zufällig richtig stand), zum Korb ziehen oder aus der Distanz werfen kann und einem das Gefühl gibt, dass er jederzeit an jede Stelle des Courts kommen kann, wenn er will - was gibt es besseres? Wäre dazu sein Backcourt nicht so miserabel, würden seine Assist-Zahlen wohl deutlich nach oben schnellen.
Die wirken ohnehin schon beeindruckend genug, wenn man bedenkt, dass Ohio State keinen einzigen Postspieler hat. Dallas Lauderdale ist zwar eine imposante Erscheinung und wirkt selbst im Fernsehen größer, als er eigentlich ist, aber offensiv kann er wenig bieten. So muss Turner also mit David Lighty Vorlieb nehmen, den ich ohne Bedenken Villanova vorschlagen würde: Scheuklappen ohne Ende (soll ich Jon Diebler den Ball geben, wenn er gerade auch vom Parkplatz aus treffen würde und völlig frei steht? Nein, ich nehme lieber den Floater mit zwei Spielern direkt vor mir), Würfe, bei denen man sich fragt, wieso er sie nimmt und unbedrängte Airballs - es war nicht gerade sein Spiel, um es vorsichtig zu formulieren.
Das war es erst einmal von meiner Seite zur ersten Runde. Insgesamt ist mir mal wieder deutlich aufgefallen, dass zwischen NCAA und NBA Welten liegen - im Spieltempo, in der Qualität, einfach in allem. Keine bahnbrechend neue Erkenntnis, aber nach einer langen Pause noch auffälliger als sonst.
Dass die South Region die wohl schwächste Region im diesjährigen Turnier ist, war schon vorher eingängige Meinung. Wer sieht, wie sich Villanova als zweiter Seed präsentiert, weiß auch, warum. Völlig uninspiriertes Spiel, gnadenlose Unterlegenheit im Rebounding und eine Anzahl schlechter Würfe, wie sie selbst auf NCAA-Niveau unüblich ist. Der Backcourt der Wildcats, Fisher und Reynolds, haben mich alles andere als überzeugt. Dabei fand ich gerade Fisher unterirdisch schlecht: Katastrophale Wurfauswahl (in der Hinsicht schlechtester in seinem Team), kein Bemühen, seine Mitspieler besser zu machen und eine lasche Verteidigung. Ich dachte eigentlich, dass das Spiel mit dem Dreier plus Foul von Karon Abraham (Wieso hat er mich die ganze Zeit an Nate Robinson erinnert?) zu Gunsten des Underdogs gelaufen sei, aber die Referees haben scheinbar eine nicht unerhebliche Menge Geld auf Villanova gesetzt. Ich bin zwar kein Fan davon, Niederlagen auf die Schiedsrichter zu schieben, aber seht euch die Schlussphase der regulären Spielzeit an - unglaublich, was da gepfiffen wurde.
Das zweite Spiel an diesem ersten richtigen Tag der March Madness war der Upset der Bobcats gegen die Hoyas, allerdings nur zur Hälfte gesehen. Das Resultat kennt jeder, das Spiel war eher selten wirklich spannend und mein Fokus lag auf Greg Monroe, immerhin Top 10-Material in den meisten Mock Drafts. Teilweise überhasteten Aktionen zum Trotz muss ich sagen, dass ich ihn schon beeindruckend fand: Vielfältiges Offensiv-Repertoire, starkes Rebounding und vor allem ein extrem gutes Auge für die Mitspieler. Es darf natürlich die Frage erlaubt sein, ob er mit seiner etwas unathletischen Spielweise in der NBA Erfolg haben wird, aber ich sehe in ihm mehr Potential als beispielsweise Hasheem Thabett, immerhin zweiter Pick des diesjährigen Drafts. OK, ist auch nicht besonders schwer, aber immerhin.
Letztes gesehenes Spiel der ersten Runde war das Aufeinandertreffen von Ohio State und Santa Clara. Um es kurz zu machen: Jedes Team, das bereits über einen guten Point Guard verfügt (und das sind mittlerweile recht viele), sollte sich ernsthafte GEdanken machen, Evan Turner an Eins zu wählen. Auch wenn er gestern sicherlich nicht seinen größten Auftritt hatte: Ein 6'7-Spieler, der das Ballhandling eines Point Guards hat und dazu dominant an den Boards auftritt (von seinen zehn Rebounds holte er die wenigsten, weil er zufällig richtig stand), zum Korb ziehen oder aus der Distanz werfen kann und einem das Gefühl gibt, dass er jederzeit an jede Stelle des Courts kommen kann, wenn er will - was gibt es besseres? Wäre dazu sein Backcourt nicht so miserabel, würden seine Assist-Zahlen wohl deutlich nach oben schnellen.
Die wirken ohnehin schon beeindruckend genug, wenn man bedenkt, dass Ohio State keinen einzigen Postspieler hat. Dallas Lauderdale ist zwar eine imposante Erscheinung und wirkt selbst im Fernsehen größer, als er eigentlich ist, aber offensiv kann er wenig bieten. So muss Turner also mit David Lighty Vorlieb nehmen, den ich ohne Bedenken Villanova vorschlagen würde: Scheuklappen ohne Ende (soll ich Jon Diebler den Ball geben, wenn er gerade auch vom Parkplatz aus treffen würde und völlig frei steht? Nein, ich nehme lieber den Floater mit zwei Spielern direkt vor mir), Würfe, bei denen man sich fragt, wieso er sie nimmt und unbedrängte Airballs - es war nicht gerade sein Spiel, um es vorsichtig zu formulieren.
Das war es erst einmal von meiner Seite zur ersten Runde. Insgesamt ist mir mal wieder deutlich aufgefallen, dass zwischen NCAA und NBA Welten liegen - im Spieltempo, in der Qualität, einfach in allem. Keine bahnbrechend neue Erkenntnis, aber nach einer langen Pause noch auffälliger als sonst.
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