Es ist noch nicht einmal einen Monat her, als ich über die Probleme der Denver Nuggets schrieb. Haupttenor damals war, dass Carmelo Anthony sein Spiel deutlich steigern müsse, damit Denver weiterhin zu den Topteams im Westen gehört. Das hat der aktuell drittbeste Scorer der NBA auch zweifellos getan, momentan finden sich wenig stärkere Akteure in der besten Basketballliga der Welt. Was mir dagegen momentan negativ auffällt, ist das Loch, das die Verletzung von Kenyon Martin ins Team gerissen hat.
Zugegeben, Kenyon Martin war schon immer ein sehr verletzungsanfälliger Spieler, aber man war geneigt, diese Tatsache nach zwei mehr oder weniger verletzungsfreien Saisons als Vergangenheit abzutun. Jetzt wurde die Franchise aus Colorado schmerzlich daran erinnert, auf welch fragilem Fundament der Erfolg seit dem Beginn der Saison 2008/09 gebaut war: Johan Petro läuft momentan als Starter für Denver auf, Malik Allen und Joey Graham kommen als Alternativen von der Bank. Ganz ehrlich, diese Namen sollten so selten wie möglich in der Rotation eines Meisterschaftsanwärters auftauchen und schon gar nicht 48 Minuten unter sich aufteilen, wie es letzte Nacht gegen Orlando geschah. Die eigentlich vorhandene Alternative für Martin, Chris "The Birdman" Andersen, macht auf mich momentan einen desolaten Eindruck: Offensiv ohnehin limitiert, wirkt er auch in der Verteidigung lustlos - fehlendes Timing beim Blocken, was eigentlich seine große Stärke ist, wenig Einsatz beim Kampf um die Rebounds, eher alibimäßige Verteidigung im Lowpost. Im letzten Jahr war er noch der große Energizer von der Bank, jetzt ist davon nicht mehr zu spüren. Da Martin wohl mindestens bis zum Beginn der Endrunde ausfallen wird, wäre ein starker Andersen für die Nuggets unglaublich wichtig.
Ein weiterer Punkt, den ich absolut nicht nachvollziehen kann: Wieso spielt Ty Lawson kaum noch eine Rolle? Anthony Carter ist für mich der personifizierte Nonfactor: In der Offensive dribbelt er viel zu lange mit dem Ball umher, ohne auch nur irgendwas produktives zu leisten. Seine einzige Leistung besteht oft genug darin, einen Spielzug anzusagen und irgendwann einen vorhersehbaren Pass zu spielen, der selten einen wirklich offenen Wurf ermöglicht. Erschwerend hinzu kommt, dass der Gegner ihn nicht einmal zu verteidigen braucht: Ganze zwei Pünktchen erzielte er in den letzten fünf Spielen und das bei mickrigen sieben Wurfversuchen. Nennt mir einen Grund, warum ich als Coach einen Verteidiger gegen ihn stellen sollte. Die Defensive ist dann auch der einzige Bereich, in dem Carter seinem berühmteren Namensvetter Vince in nichts nachsteht: Sein Verteidigungsverhalten dürfte in den USA mit dem neuen Trendwort "Matador" beschrieben werden - er schafft es, niemanden vor sich zu halten und würde wohl selbst von Eric Snow oder Marc Jackson aus dem Dribbling heraus geschlagen werden, wenn die beiden denn noch spielen würden.
Auf der anderen Seite hat man mit Ty Lawson einen äußerst talentierten Rookie, der im Gegensatz zu Carter nicht nur hirnlos nach vorne dribbelt und dann nicht weiß, was er machen soll, sondern ein außerordentlich gutes Gespür für den Spielrhythmus hat. Lawson kann beinahe problemlos zum Korb ziehen und so durch Ableger oder Kick-Outs einfache Würfe für Mitspieler kreieren, selber hochprozentig abschließen und/oder den Gegner in Foulprobleme bringen. Sein Distanzwurf ist ebenfalls um Welten besser als der von Carter, von der Verteidigung ganz zu schweigen (Lawson ist hier sicher keine Koryphäe, aber auch kein Polygon, das es lediglich zu umdribbeln gilt). Ganz ehrlich, was hat er verbrochen, dass er nicht mehr spielen darf? Ich kapiere das einfach nicht, zumal lawson ja bis zu seiner Verletzung bewiesen hat, wie wichtig er sein kann.
Was ebenfalls wichtig an seiner Spielweise ist: Die Denver Nuggets erinnern mich stark an die Miami heat aus dem Jahr 2006, was die Abhängigkeit von Freiwürfen angeht. Sicherlich haben sie auch so sehr gute Spieler, die nicht unbedingt an die Freiwurflinie müssen, um ein Spiel zu entscheiden. Aber auf Dauer ist es eben doch ein sehr großer Faktor im gesamten Konstrukt der Nuggets. Anthonys 26 Punkte gegen Orlando sehen schon nicht mehr ganz so rosig aus, wenn er dafür 25 Würfe benötigt oder in anderen Worten: Er war nicht so effektiv wie gewohnt. Chauncey Billups fiel während der gesamten Partie nicht großartig auf, unter anderem, weil er kein einziges Mal zur Freiwurflinie durfte. Wenn die Referees in den Playoffs so pfeiffen wie gegen Orlando - und es wäre nicht das erste Mal, das in der Endrunde mehr Körperkontakt zugelassen wird - muss sich Denver andere Wege einfallen lassen, um zu Punkten zu kommen. Gegen die Magic verließ man sich auf schlechte Würfe aus der Mitteldistanz, die ab Mitte des dritten Viertels nicht mehr fielen und somit Orlando die Gelegenheit gegeben wurde, das Spiel zu entscheiden. Eigentlich wäre es schon in der ersten Hälfte so gewesen, wenn nicht Malik Allen so ziemlich jeden Wurf versenkte. Aber dass man sich darauf besser nicht verlässt, zeigte dann der zweite Durchgang.
Alles in allem bin ich mittlerweile ernsthaft um die Nuggets besorgt, da Martin, sofern er dann überhaupt wieder fit ist, sich in den Playoffs einspielen muss. Auch die angesprochene Problematik mit den Mitteldistanzwürfen, die ebenfalls schon Anfang März von mir thematisiert wurde, scheint keine Eintagsfliege zu sein. Dazu die defensiven Probleme gegen gegnerische Forwards, die doch recht dünne Bank und das allgemein enge Tabellenbild in der Western Conference verheißen nichts gutes. Das back-to-back gegen Dallas heute Nacht dürfte mit der Anreise aus Orlando und dem Umstand, dass Anthony 41 Minuten auf dem Parkett stand, nur äußerst schwer zu gewinnen sein. Auch der restliche Spielplan - die Clippers sind der einzige Gegner mit negativer Bilanz - spricht nicht gerade für Denver. Ich fürchte sogar fast, dass man in der ersten Runde ausscheiden könnte. Anthony und Billups sprechen zwar dagegen, genauso wie das Selbstbewusstsein. Aber es müssen sich die genannten Spieler steigern bzw. überhaupt wieder eingesetzt werden, um den Abwärtstrend (1-4 aus den letzten Spielen) zu stoppen. Gefallen ist Denver (noch?) nicht, aber sie wanken bedrohlich.
Posts mit dem Label Kenyon Martin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kenyon Martin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 29. März 2010
Dienstag, 2. März 2010
Quo vadis, Denver?
Zugegeben, als momentan drittplatzierter der Western Conference erscheint die Überschrift ein wenig ketzerisch. Umso mehr, da ich kein großer Fan davon bin, aus irgendwelchen Auftritten Anfang März Rückschlüsse auf mögliche Playoffs zu ziehen (obwohl ich genau das mit meinem vorherigen Blogeintrag getan habe - sei's drum...). Aber ich kann nicht anders, als nach den beiden letzten Auftritten der Denver Nuggets in Los Angeles und Phoenix einige Sachen zu bemängeln, die sich bis zum Beginn der Playoffs in der Mile High City ändern sollten, will man erneut die Western Conference Finals oder sogar mehr erreichen. Und vorweg sei gesagt, dass ich mir durchaus im klaren darüber bin, dass mit Ty Lawson sowie Chris Andersen zwei Drittel der Bank Denvers entweder total ausfielen bzw. im Falle von Andersen angeschlagen waren und dann ausfielen. Dennoch sind die folgenden Probleme eher substantieller Natur und nicht nur auf das Fehlen einiger Spieler zurückzuführen.
Da wäre zum Beispiel Kenyon Martin - defensiv macht der ehemalige Nummer Eins-Pick zwar nach wie vor einen super Job, aber offensiv war seine Entscheidungen selten die cleversten. Im speziellen geht es dabei um seinen Wurf aus der Mitteldistanz, der zwar alles andere als sicher fällt - gegen Phoenix produzierte er völlig unbedrängt einen Airball - aber dennoch gerne genommen wird. Matt Moore schrieb nach dem Lakers-Spiel dazu: "The Nuggets have relied on Martin's mid-range J way too much this season. It's one of those shots that is nice to have, but that you can't rely on. And when the Nuggets came to rely on it today, with Ron Artest smothering Anthony and no other wing offense being produced, they choked on it." Womit eigentlich schon fast alles dazu gesagt ist: Es ist eine Sache, wenn Martin ab und zu auf einer Distanz von 15 oder mehr Fuß wirft, weil die Wurfuhr abläuft und keine andere Optionen verfügbar sind. Es ist aber eine völlig andere, wenn Martin diese Würfe regelmäßig nimmt, weil er denkt, dass sie fest in seinem Repertoire sind. Jeder Gegner wird Martin aus dieser Distanz gewähren lassen und nach den beiden Niederlagen dürfte Denver gemerkt haben, dass Martin sich weiterhin eher um Putbacks kümmern sollte. Negativer Nebeneffekt dieser grausamen Würfe: Nene, den ich als offensiv vielfach potenter ansehe als seinen Nebenmann, kriegt nicht ansatzweise häufig genug den Ball im Post, womit das Offensivspiel Denvers phasenweise zum Erliegen kommt.
Der nächste Punkt, der besonders auffiel: J.R. Smith von der Bank kann einem Coach eigentlich nur Kopfschmerzen bereiten. Bestes Beispiel dafür sein Auftritt in Phoenix, als er bis Mitte des dritten Viertels einen schlechten Wurf nach dem anderen nahm, lediglich einen Fastbreak-Dunk versenkte und großen Anteil daran hatte, dass Phoenix das Spiel binnen 18 Minuten entschied. Wieso in Gottes Namen nimmt er einen Dreier, wenn er keine feste Position hat und Channing Frye direkt vor ihm steht? Wieso wirft er aus der Bedrängnis heraus einen Airball, statt auf den völlig frei stehenden Anthony zu passen, als immerhin noch drei Sekunden auf der Wurfuhr waren? Solche Sequenzen sind mehr als frustrierend, wenn man sich vergegenwärtigt, welches Talent in dem Shooting Guard schlummert. Dass er es kann, bewies er in der Endphase des Spiels gegen Phoenix, als er plötzlich seine Würfe traf und sein Spiel laut Boxscore insgesamt sogar halbwegs passabel zu sein schien. wer das Spiel selber gesehen hat, weiß aber, dass dem nicht so war. Ich bzeweifel mittlerweile sehr stark, dass Denver mit Smith als wichtigstem Bankspieler wirklich reif für den Titel ist. Er kann an guten Tagen den Unterschied machen, aber die Gefahr, dass er sein Team mit seiner egozentrischen Spielweise killt, ist immer gegeben. Ich will nicht die beiden Niederlagen an ihm alleine festmachen, aber er trägt gewiss seinen Anteil daran.
Der Punkt, der Denver aber am meisten Sorgen amchen sollte, ist die Krise, die Carmelo Anthony momentan durchläuft. Er kriegt zwar nach wie vor oft genug den Ball in der Offensive, aber seine Effektivität steht mittlerweile in keinem Vergleich mehr zu den exzellenten Auftritten, die er bis zu seiner Verletzung im Januar gezeigt hat. So zeigt er in letzter Zeit ein ungewohnt zittriges Händchen von der Freiwurflinie (20-34 in den letzten vier Spielen) und auch seine Wurfauswahl im Spiel selber lässt zu Wünschen übrig: Für meinen Geschmack nimmt er viel zu häufig den Wurf aus der Mitteldistanz, wenn es bei ihm nicht läuft, obwohl er gerade dann zum Korb ziehen sollte. Seine Versuche von jenseits der Dreierlinie wirken ebenfalls zu oft erzwungen und selten seinem Rhythmus und dem Rhythmus des Spiels angepasst. Mir ist klar, dass er nicht jeden Abend Galauftritte wie jenen in Cleveland abliefern kann, aber in seiner momentanen Verfassung kann Anthony das Team kaum tragen, obwohl die Nuggets nur mit einem Anthony in Bestform eine Chance auf den Titel haben werden.
Umso tödlicher sind seine momentan Schwierigkeiten in der Offensive, als dass er defensiv schon immer zu den schwächsten Akteueren auf dem Parkett gehörte. Eine weitere Kostprobe aus dem Phoenix-Spiel: Grant Hill spielt im ersten Viertel Eins gegen Eins mit Anthony im Fastbreak, steigt nach der üblichen Finte zum Layup hoch, während Anthony sich wegduckt, aber warum auch immer seinen Arm nach Hill ausstreckt und diesem so den Bonusfreiwurf schenkt. Dieses Verteidigungsverhalten hat schon etwas von Vince Carter, was nun wahrlich nicht als Kompliment gesehen werden kann. Dazu baute Phoenix seinen letztlich spielentscheidenden Lauf auf einem Spielzug auf, der lediglich einen Switch in der Defensive bewirkte: Anthony musste plötzlich Dragic verteidigen, während Hill Billups als Gegenspieler hatte und dementsprechend häufig in den Post zog. Wie man auf diesem Niveau einen so simplen Spielzug - im wesentlichen nur ein Screen - so dermaßen schlecht verteidigen kann wie Anthony und Billups, ist mir ein Rätsel. Ebenfalls auffällig ist, dass Hill und Artest zwar nicht die unbekanntesten Spieler der Liga sind, aber in diesem Jahr auch nicht für ihre offensiven Ausbrüche bekannt wurden. Dass beide nacheinander extrem starke Spiele mit Anthony als Verteidiger auflegen, darf nur bedingt als Zufall gewertet werden. Und es ist nie ein gutes Zeichen, wenn jemand wie Anthony von Grant Hill aus dem Dribbling heraus ausgespielt wird.
Insgesamt stehen die Nuggets natürlich immer noch sehr gut da, sie gelten zurecht als einer der größten Herausforderer Los Angeles' im Westen, aber die angesprochenen Probleme müssen bis Mitte April behoben werden, wenn es etwas mit dem Titel in Colorado werden soll. Es wird sicherlich helfen, wenn Ty Lawson wieder spielen kann, da er ein wichtiger Faktor von der Bank ist (Denver implodierte gegen Phoenix vor zuerst, als sich Billups und Anthony die erste Pause gönnten). Trotzdem muss man konstatieren, dass die letzten Wochen kaum nach dem Wunsch der Nuggets verliefen und es durchaus symbolisch gesehen werden darf, dass Dallas mit dem Sieg gegen Charlotte letzte Nacht auf den zweiten Platz im Westen kletterte.
Da wäre zum Beispiel Kenyon Martin - defensiv macht der ehemalige Nummer Eins-Pick zwar nach wie vor einen super Job, aber offensiv war seine Entscheidungen selten die cleversten. Im speziellen geht es dabei um seinen Wurf aus der Mitteldistanz, der zwar alles andere als sicher fällt - gegen Phoenix produzierte er völlig unbedrängt einen Airball - aber dennoch gerne genommen wird. Matt Moore schrieb nach dem Lakers-Spiel dazu: "The Nuggets have relied on Martin's mid-range J way too much this season. It's one of those shots that is nice to have, but that you can't rely on. And when the Nuggets came to rely on it today, with Ron Artest smothering Anthony and no other wing offense being produced, they choked on it." Womit eigentlich schon fast alles dazu gesagt ist: Es ist eine Sache, wenn Martin ab und zu auf einer Distanz von 15 oder mehr Fuß wirft, weil die Wurfuhr abläuft und keine andere Optionen verfügbar sind. Es ist aber eine völlig andere, wenn Martin diese Würfe regelmäßig nimmt, weil er denkt, dass sie fest in seinem Repertoire sind. Jeder Gegner wird Martin aus dieser Distanz gewähren lassen und nach den beiden Niederlagen dürfte Denver gemerkt haben, dass Martin sich weiterhin eher um Putbacks kümmern sollte. Negativer Nebeneffekt dieser grausamen Würfe: Nene, den ich als offensiv vielfach potenter ansehe als seinen Nebenmann, kriegt nicht ansatzweise häufig genug den Ball im Post, womit das Offensivspiel Denvers phasenweise zum Erliegen kommt.
Der nächste Punkt, der besonders auffiel: J.R. Smith von der Bank kann einem Coach eigentlich nur Kopfschmerzen bereiten. Bestes Beispiel dafür sein Auftritt in Phoenix, als er bis Mitte des dritten Viertels einen schlechten Wurf nach dem anderen nahm, lediglich einen Fastbreak-Dunk versenkte und großen Anteil daran hatte, dass Phoenix das Spiel binnen 18 Minuten entschied. Wieso in Gottes Namen nimmt er einen Dreier, wenn er keine feste Position hat und Channing Frye direkt vor ihm steht? Wieso wirft er aus der Bedrängnis heraus einen Airball, statt auf den völlig frei stehenden Anthony zu passen, als immerhin noch drei Sekunden auf der Wurfuhr waren? Solche Sequenzen sind mehr als frustrierend, wenn man sich vergegenwärtigt, welches Talent in dem Shooting Guard schlummert. Dass er es kann, bewies er in der Endphase des Spiels gegen Phoenix, als er plötzlich seine Würfe traf und sein Spiel laut Boxscore insgesamt sogar halbwegs passabel zu sein schien. wer das Spiel selber gesehen hat, weiß aber, dass dem nicht so war. Ich bzeweifel mittlerweile sehr stark, dass Denver mit Smith als wichtigstem Bankspieler wirklich reif für den Titel ist. Er kann an guten Tagen den Unterschied machen, aber die Gefahr, dass er sein Team mit seiner egozentrischen Spielweise killt, ist immer gegeben. Ich will nicht die beiden Niederlagen an ihm alleine festmachen, aber er trägt gewiss seinen Anteil daran.
Der Punkt, der Denver aber am meisten Sorgen amchen sollte, ist die Krise, die Carmelo Anthony momentan durchläuft. Er kriegt zwar nach wie vor oft genug den Ball in der Offensive, aber seine Effektivität steht mittlerweile in keinem Vergleich mehr zu den exzellenten Auftritten, die er bis zu seiner Verletzung im Januar gezeigt hat. So zeigt er in letzter Zeit ein ungewohnt zittriges Händchen von der Freiwurflinie (20-34 in den letzten vier Spielen) und auch seine Wurfauswahl im Spiel selber lässt zu Wünschen übrig: Für meinen Geschmack nimmt er viel zu häufig den Wurf aus der Mitteldistanz, wenn es bei ihm nicht läuft, obwohl er gerade dann zum Korb ziehen sollte. Seine Versuche von jenseits der Dreierlinie wirken ebenfalls zu oft erzwungen und selten seinem Rhythmus und dem Rhythmus des Spiels angepasst. Mir ist klar, dass er nicht jeden Abend Galauftritte wie jenen in Cleveland abliefern kann, aber in seiner momentanen Verfassung kann Anthony das Team kaum tragen, obwohl die Nuggets nur mit einem Anthony in Bestform eine Chance auf den Titel haben werden.
Umso tödlicher sind seine momentan Schwierigkeiten in der Offensive, als dass er defensiv schon immer zu den schwächsten Akteueren auf dem Parkett gehörte. Eine weitere Kostprobe aus dem Phoenix-Spiel: Grant Hill spielt im ersten Viertel Eins gegen Eins mit Anthony im Fastbreak, steigt nach der üblichen Finte zum Layup hoch, während Anthony sich wegduckt, aber warum auch immer seinen Arm nach Hill ausstreckt und diesem so den Bonusfreiwurf schenkt. Dieses Verteidigungsverhalten hat schon etwas von Vince Carter, was nun wahrlich nicht als Kompliment gesehen werden kann. Dazu baute Phoenix seinen letztlich spielentscheidenden Lauf auf einem Spielzug auf, der lediglich einen Switch in der Defensive bewirkte: Anthony musste plötzlich Dragic verteidigen, während Hill Billups als Gegenspieler hatte und dementsprechend häufig in den Post zog. Wie man auf diesem Niveau einen so simplen Spielzug - im wesentlichen nur ein Screen - so dermaßen schlecht verteidigen kann wie Anthony und Billups, ist mir ein Rätsel. Ebenfalls auffällig ist, dass Hill und Artest zwar nicht die unbekanntesten Spieler der Liga sind, aber in diesem Jahr auch nicht für ihre offensiven Ausbrüche bekannt wurden. Dass beide nacheinander extrem starke Spiele mit Anthony als Verteidiger auflegen, darf nur bedingt als Zufall gewertet werden. Und es ist nie ein gutes Zeichen, wenn jemand wie Anthony von Grant Hill aus dem Dribbling heraus ausgespielt wird.
Insgesamt stehen die Nuggets natürlich immer noch sehr gut da, sie gelten zurecht als einer der größten Herausforderer Los Angeles' im Westen, aber die angesprochenen Probleme müssen bis Mitte April behoben werden, wenn es etwas mit dem Titel in Colorado werden soll. Es wird sicherlich helfen, wenn Ty Lawson wieder spielen kann, da er ein wichtiger Faktor von der Bank ist (Denver implodierte gegen Phoenix vor zuerst, als sich Billups und Anthony die erste Pause gönnten). Trotzdem muss man konstatieren, dass die letzten Wochen kaum nach dem Wunsch der Nuggets verliefen und es durchaus symbolisch gesehen werden darf, dass Dallas mit dem Sieg gegen Charlotte letzte Nacht auf den zweiten Platz im Westen kletterte.
Abonnieren
Posts (Atom)