Es war eigentlich zu schön, um wahr zu sein: Ein kleiner, unbeachteter Trade zur Deadline zwischen den Bucks und Bulls brachte mit John Salmons einen veritablen Flügelscorer in die Bierstadt, nachdem dieser sich in Chicago entbehrlich gemacht zu haben schien. Die Bucks standen bei einer Bilanz von 24-28, jegliche Anfangseuphorie um Rookie-guard Brandon Jennings war verflogen und das Wort Playoffs nahm schon lange kein Mensch mehr in den Mund, wenn es um die Franchise aus Wisconsin ging. Eineinhalb Monate später haben die Milwaukee Bucks 18 ihrer 24 Spiele seit dem trade gewonnen, liegen komfortabel auf Rang sechs in der Eastern Conference und sind das Team, auf das niemand so wirklich treffen will in der ersten Runde. Salmons hat sich prächtig eingelebt, Jennings hat die Rookie Wall durchbrochen und Andrew Bogut spielte so, als wenn er schon immer zu den besten Centern der NBA gehören würde. Und das meine ich durchaus ernst: Postmoves, ein wackeliger Mitteldistanzwurf, ein für einen Center viel zu gutes Auge für den Mitspieler (plus Fähigkeit, auch anspruchsvolle Pässe an den Mann zu bringen) sowie bärenstarke Verteidigung. Ganz ehrlich, wenn ich mir seine Leistungen im März angesehen habe, muss ich sagen: Er war für diese eineinhalb Monate der defensiv beste Center der Liga. Trotz eines Dwight Howard oder Marcus Camby in guter Verfassung.
So schön sich das alles auch liest, es ist nunmehr Makulatur: Andrew Bogut verletzte sich gegen die Phoenix Suns so schwer, dass die Saison für ihn beendet ist. Nicht nur in deutschen Landen fragt man sich, ob es das nun gewesen sei für die Bucks. Meine kurze wie niederschmetternde Antwort: Ja. Bogut war für dieses Team zu wichtig. Er zog in der Offensive oft genug Double-Teams und schaffte somit Platz für die Dreierschützen. Er war für Jennings eine verlässliche Größe im Pick and Roll, was gerade für einen unerfahrenen Guard, wie es Jennings nun einmal ist, besonders wichtig ist. Er hat die Rebounds geholt und gegnerische Guards am eigenen Brett abgeräumt, nachdem sie Jennings eher einmal mehr als weniger durchbrechen ließ. All' das wird den Bucks nun fehlen, wenn sie in der Postseason antreten werden.
Luc Richard Mbah a Moute, Ersan Ilyasova, Kurt Thomas und Dan Gadzuric (brrrrrr!) heißen fortan die Big Men der Bucks - wer soll davor Angst haben? Wie wollen sie einen O'Neal (sofern fit, aber Matchup unwahrscheinlich), Howard, Perkins, Garnett oder Horford verteidigen? Wer spielt mit Jennings das Pick and Roll, ohne dass der Gegner vorher weiß, dass der Point Guard aufgrund mangelnder Fähigkeiten seines Partners ohnehin abschließen wird? Wer soll einem Rondo, Nelson oder Johnson Angst machen, wenn diese in der Zone auftauchen? Wie wird es John Salmons ergehen, wenn sich sämtliche Defensivpläne auf ihn konzentrieren? Ich denke, die Probleme dürften offenkundig sein.
Es tut mir jedenfalls unendlich leid für Milwaukee, dass sie ihre Wandlung vom ungeliebten Kind der Liga zu einer der Überraschungen des Jahres nur unwürdig werden abschließen können. Niemand wird mehr "Fear the deer", Slogan des Wandels mit unbekannter Herkunft, brüllen. Boston dürfte noch einen Anreiz mehr haben, Rang drei in der Eastern Conference zu erkämpfen, denn ohne Bogut werden die Bucks das schwächste aller Playoff-Teams im Osten sein. Sollten sie gar auf Rang Sieben zurückfallen, kann Howard sich schon einmal einen 20-20er Schnitt für die erste Runde eintragen lassen. Aber bei aller Häme, die den Bucks in der Endrunde vermutlich entgegen kommen wird - es sollte dran gedacht werden, was dieses Team nach der Trading Deadline geleistet hat und wie gefährlich es hätte sein können. I feared the deer. Not anymore.
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Dienstag, 6. April 2010
Dienstag, 31. März 2009
Unzähmbare Bullen
Lange sah es in der Eastern Conference nach einem wahren Herzschlagfinale um mindestens einen Playoffplatz aus, bis Ende Februar galten auch die Philadelphia 76ers als Wackelkandidat, ehe man sich von der Konkurrenz deutlich lösen konnte. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte: Die Weichen für die Entscheidung um den letzten freien Playoffplatz im Osten waren schon lange gestellt.
Zwei Wochen vorher, als die Trade-Deadline für die alljährliche Diskrepanz zwischen unzähligen Gerüchten auf der einen und verhältnismäßig wenigen Wechseln auf der anderen Seite sorgte, sicherten sich die Chicago Bulls John Salmons, Brad Miller und Tim Thomas, um im Gegenzug den zweifellos talentierten, aber unbeständigen Thabo Sefolosha, Scharfschütze und Arbeitstier Andres Nocioni, den dauerverletzten Drew Gooden und Shot First-Guard Larry Hughes abzugeben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten - die Bulls konnten nach diesen tiefgreifenden Veränderungen lediglich fünf ihrer zwölf folgenden Spiele gewinnen - zahlt sich die abgelegte Zurückhaltung von GM John Paxson nun aus. Mit den Erfolgen gegen die Titelaspiranten aus New Orleans und Boston starteten die Bullen eine Erfolgsserie, die sieben Siege aus den letzten neun Spielen und einen Vorsprung von zwei Spielen auf den Neuntplatzierten, die Charlotte Bobcats, einbrachte.
Neben der besseren Chemie zwischen den Neuankömmlingen und dem Stammpersonal scheinen zwei Faktoren besonders gravierend für die Erfolgswelle der Truppe aus der Windy City zu sein: Da wäre zum einen John Salmons, der seit der Verletzung von Luol Deng in der Startformation steht und seine Aufstellung mit reihenweise starken Leistungen rechtfertigt. Zuletzt avancierte er gar zum besten Spieler im Bulls-Roster und ließ seinen Kontrahenten auf der Drei mehr als nur vergessen. Zum anderen verkürzte Coach Vinny Del Negro seine Rotation auf lediglich acht Spieler und verbesserte somit die Chemie auf dem Platz spürbar. Zwar wird Luol Deng, sofern er sich rechtzeitig von seiner Schienbeinverletzung erholt, in den Playoffs wieder in den Kader zurückkehren, aber sonst steht die Formation von Del Negro fest. Durch die hohe Qualität von Bankspielern wie Brad Miller oder Kirk Hinrich entsteht kein Bruch im Spiel und der Druck auf den Gegner kann konstant hoch gehalten werden.
Die Kombination dieser Eindrücke und des relativ einfachen Restprogramms, das noch fünf Heimspiele bei lediglich zwei Auswärtsbegegnungen und nur ein Spiel gegen ein Team mit positiver Bilanz (Philadelphia) bereit hält, lässt eine Playoffteilnahme der Bulls als beinahe sicher erscheinen. Durch die Erfolgsserie der letzten Wochen konnte man sogar zu den Detroit Pistons, aktuell auf Platz Sieben liegend, aufschließen, so dass es am 13. April im Palace of Auburn Hills eventuell zu einer direkten Entscheidung um den siebten Platz kommen kann. Zugetraut werden muss er den Bulls in der aktuellen Verfassung auf jeden Fall.
Zwei Wochen vorher, als die Trade-Deadline für die alljährliche Diskrepanz zwischen unzähligen Gerüchten auf der einen und verhältnismäßig wenigen Wechseln auf der anderen Seite sorgte, sicherten sich die Chicago Bulls John Salmons, Brad Miller und Tim Thomas, um im Gegenzug den zweifellos talentierten, aber unbeständigen Thabo Sefolosha, Scharfschütze und Arbeitstier Andres Nocioni, den dauerverletzten Drew Gooden und Shot First-Guard Larry Hughes abzugeben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten - die Bulls konnten nach diesen tiefgreifenden Veränderungen lediglich fünf ihrer zwölf folgenden Spiele gewinnen - zahlt sich die abgelegte Zurückhaltung von GM John Paxson nun aus. Mit den Erfolgen gegen die Titelaspiranten aus New Orleans und Boston starteten die Bullen eine Erfolgsserie, die sieben Siege aus den letzten neun Spielen und einen Vorsprung von zwei Spielen auf den Neuntplatzierten, die Charlotte Bobcats, einbrachte.
Neben der besseren Chemie zwischen den Neuankömmlingen und dem Stammpersonal scheinen zwei Faktoren besonders gravierend für die Erfolgswelle der Truppe aus der Windy City zu sein: Da wäre zum einen John Salmons, der seit der Verletzung von Luol Deng in der Startformation steht und seine Aufstellung mit reihenweise starken Leistungen rechtfertigt. Zuletzt avancierte er gar zum besten Spieler im Bulls-Roster und ließ seinen Kontrahenten auf der Drei mehr als nur vergessen. Zum anderen verkürzte Coach Vinny Del Negro seine Rotation auf lediglich acht Spieler und verbesserte somit die Chemie auf dem Platz spürbar. Zwar wird Luol Deng, sofern er sich rechtzeitig von seiner Schienbeinverletzung erholt, in den Playoffs wieder in den Kader zurückkehren, aber sonst steht die Formation von Del Negro fest. Durch die hohe Qualität von Bankspielern wie Brad Miller oder Kirk Hinrich entsteht kein Bruch im Spiel und der Druck auf den Gegner kann konstant hoch gehalten werden.
Die Kombination dieser Eindrücke und des relativ einfachen Restprogramms, das noch fünf Heimspiele bei lediglich zwei Auswärtsbegegnungen und nur ein Spiel gegen ein Team mit positiver Bilanz (Philadelphia) bereit hält, lässt eine Playoffteilnahme der Bulls als beinahe sicher erscheinen. Durch die Erfolgsserie der letzten Wochen konnte man sogar zu den Detroit Pistons, aktuell auf Platz Sieben liegend, aufschließen, so dass es am 13. April im Palace of Auburn Hills eventuell zu einer direkten Entscheidung um den siebten Platz kommen kann. Zugetraut werden muss er den Bulls in der aktuellen Verfassung auf jeden Fall.
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