Mittwoch, 31. März 2010

Eurocup, Alba vs. Hapoel Jerusalem

Es war das Spiel, dass wohl wie sonst kaum ein Heimauftritt Albas in den letzten Jahren herbeigesehnt wurde in Berlin. Bestes Zeugnis dafür? Übernahme der Titelseiten in den Tageszeitungen, 14.000 abgesetzte Tickets im Vorverkauf und meterlange Schlangen vor der o2-World, als ich um 20 Uhr an der Halle ankomme. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an meinen Arbeitgeber, dass ich nicht früher da sein konnte...

Auf den Plätzen angekommen, stand es gerade 20:11 für Alba und Lucca Staiger versenkte einen Dreier. Lucca Staiger? Richtig gelesen, er durfte heute schon einmal im zweiten Viertel ran und hatte auch in der zweiten Halbzeit einen Kurzauftritt, der Distanzwurf sollte aber das einzige persönliche Erfolgserlebnis für ihn bleiben. Meine Erwartungen an Jerusalem waren schon recht hoch, hatte doch Marco Baldi noch davor gewarnt, dass der israelische Vertreter um Ex-Albatross Dijon Thompson jederzeit 110 Punkte auflegen könne. Dass es die nach elf Pünktchen in den ersten zwölfeinhalb Minuten wohl eher nicht werden würden, war mir dann aber auch relativ schnell klar. Was mich nur wirklich verwundert hat: Die Spieler von Hapoel zeigten erkennbar wenig Interesse daran, einen Zwischenspurt bis zur Halbzeitpause einzulegen. Im Gegenteil: Alba baut seinen Vorsprung kontinuierlich aus, was vor allem an Immanuel McElroy liegt, der wunderbare Defense sowie ein paar Assists spielt und zwei Korbleger versenkt. Ärgerlicherweise setzt ein insgesamt solider Rashard Wright den Dreier mit der Halbzeitsirene auf den Ring, nachdem Alba einen nahezu perfekten Spielzug mit 9,9 Sekunden auf der Uhr gezeigt hat: 36:28.

Die Partie wurde mit einem Dreier von Dragan Dojcin wieder aufgenommen, was den Hallensprecher zum einzigen Mal während der 40 Minuten nutzen konnte, dem vom Publikum zum "Dreiergott" ernannten zu huldigen. In der Folge blieb das Spiel im dritten Viertel relativ Höhepunktarm und war eher durch unzählige Ballverluste auf beiden Seiten geprägt. Im Gedächtnis bleiben mir nur der Dreier von Steffen Hamann, weil man sowas eben selten sieht, und relativ viele geblockte Würfe, die auch dadurch ermöglicht wurden, dass die Schiedsrichter viel laufen ließen - sowohl am Brett, als auch bei den Screens und Blocks, die gestellt wurden. Nur dumm, dass mit Jenkins der einzige Spieler fehlte, der wirklich eng um Blocks schneidet und daraus seinen Vorteil hätte ziehen können.

Also der Sprung ins letzte Viertel und auch hier hatte ich erschreckenderweise den Eindruck, dass sich eine gewisse Gleichgültigkeit im Jerusalemer Team breit machte: Man hatte nie den Eindruck, dass sie das Spiel wirklich gewinnen wollen. Falls doch einmal eine Aktion gelang, die das Momentum auf Seiten der Israelis und das den ganzen Abend sensationell laute Publikum hätte verstummen lassen können, konterte Alba - sei es durch einen Notdreier von Rashard Wright oder ein And one von Derrick Byars. Ohnehin kurz ein Wort zu Byars: Auch wenn ich seinen scheinbaren Fabelstart ins Spiel verpasst habe, gefiel er mir sehr, sehr gut über das gesamte Spiel. Die Tatsache, dass er zweimal von Pooh Jeter und einmal von Tre Simmons in der Verteidigung übel zugerichtet wurde - übrigens sah das nicht so aus, als könnte er damit in der nächsten NBA-Preseason den Sprung in ein Team schaffen, das nicht in Oakland oder Phoenix beheimatet ist - übersehe ich mal geflissentlich. Das hat McElroy mit seiner über den gesamten Abend herausragenden Verteidigung aber wieder ausgeglichen.

Zweifellos der Mann des letzten Viertels war aber Alba-Center Adam Chubb. Drei Viertel lang - wie übrigens auch der sonst so konstante Blagota Sekulic - setzte er kaum Akzente, ehe er dann aufdrehte: zwei Running Hook Shots ließ er zwei erfolgreiche Freiwürfe sowie einen Korbleger, der das Spiel endgültig zu Gunsten Albas entschied, folgen. Ich muss gestehen, dass ich vorher selten den Hakenwurf in seinem Repertoire gesehen habe, aber heute konnte er ihn drei- oder viermal äußerst effektiv einsetzen. Nun habe ich auch nicht so oft Spiele von Berlin verfolgt bzw. war er auch verletzt, als ich in der Zwischenrunde zusah, aber diese Sicherheit im Lowpost (von einem gruselig aussehenden Fadeaway-Bankshot mal abgesehen) kannte ich nicht wirklich von ihm. Heute entschied er damit jedenfalls eine Partie, die von einer großartigen Atmosphäre, vielen Ballverlusten und insgesamt einer nicht erwarteten Einseitigkeit geprägt war. Alba schien nie in Gefahr zu sein, den nötigen Vorsprung von sieben oder mehr Punkten aus der Hand zu geben, Hapoel legte auch nie einen Run ein, der ihnen wirkliches Momentum verschaffte. Dass das Spiel mit 72:59 für Alba ausging, war daher nur logisch.

Montag, 29. März 2010

Wankender Favorit

Es ist noch nicht einmal einen Monat her, als ich über die Probleme der Denver Nuggets schrieb. Haupttenor damals war, dass Carmelo Anthony sein Spiel deutlich steigern müsse, damit Denver weiterhin zu den Topteams im Westen gehört. Das hat der aktuell drittbeste Scorer der NBA auch zweifellos getan, momentan finden sich wenig stärkere Akteure in der besten Basketballliga der Welt. Was mir dagegen momentan negativ auffällt, ist das Loch, das die Verletzung von Kenyon Martin ins Team gerissen hat.

Zugegeben, Kenyon Martin war schon immer ein sehr verletzungsanfälliger Spieler, aber man war geneigt, diese Tatsache nach zwei mehr oder weniger verletzungsfreien Saisons als Vergangenheit abzutun. Jetzt wurde die Franchise aus Colorado schmerzlich daran erinnert, auf welch fragilem Fundament der Erfolg seit dem Beginn der Saison 2008/09 gebaut war: Johan Petro läuft momentan als Starter für Denver auf, Malik Allen und Joey Graham kommen als Alternativen von der Bank. Ganz ehrlich, diese Namen sollten so selten wie möglich in der Rotation eines Meisterschaftsanwärters auftauchen und schon gar nicht 48 Minuten unter sich aufteilen, wie es letzte Nacht gegen Orlando geschah. Die eigentlich vorhandene Alternative für Martin, Chris "The Birdman" Andersen, macht auf mich momentan einen desolaten Eindruck: Offensiv ohnehin limitiert, wirkt er auch in der Verteidigung lustlos - fehlendes Timing beim Blocken, was eigentlich seine große Stärke ist, wenig Einsatz beim Kampf um die Rebounds, eher alibimäßige Verteidigung im Lowpost. Im letzten Jahr war er noch der große Energizer von der Bank, jetzt ist davon nicht mehr zu spüren. Da Martin wohl mindestens bis zum Beginn der Endrunde ausfallen wird, wäre ein starker Andersen für die Nuggets unglaublich wichtig.

Ein weiterer Punkt, den ich absolut nicht nachvollziehen kann: Wieso spielt Ty Lawson kaum noch eine Rolle? Anthony Carter ist für mich der personifizierte Nonfactor: In der Offensive dribbelt er viel zu lange mit dem Ball umher, ohne auch nur irgendwas produktives zu leisten. Seine einzige Leistung besteht oft genug darin, einen Spielzug anzusagen und irgendwann einen vorhersehbaren Pass zu spielen, der selten einen wirklich offenen Wurf ermöglicht. Erschwerend hinzu kommt, dass der Gegner ihn nicht einmal zu verteidigen braucht: Ganze zwei Pünktchen erzielte er in den letzten fünf Spielen und das bei mickrigen sieben Wurfversuchen. Nennt mir einen Grund, warum ich als Coach einen Verteidiger gegen ihn stellen sollte. Die Defensive ist dann auch der einzige Bereich, in dem Carter seinem berühmteren Namensvetter Vince in nichts nachsteht: Sein Verteidigungsverhalten dürfte in den USA mit dem neuen Trendwort "Matador" beschrieben werden - er schafft es, niemanden vor sich zu halten und würde wohl selbst von Eric Snow oder Marc Jackson aus dem Dribbling heraus geschlagen werden, wenn die beiden denn noch spielen würden.

Auf der anderen Seite hat man mit Ty Lawson einen äußerst talentierten Rookie, der im Gegensatz zu Carter nicht nur hirnlos nach vorne dribbelt und dann nicht weiß, was er machen soll, sondern ein außerordentlich gutes Gespür für den Spielrhythmus hat. Lawson kann beinahe problemlos zum Korb ziehen und so durch Ableger oder Kick-Outs einfache Würfe für Mitspieler kreieren, selber hochprozentig abschließen und/oder den Gegner in Foulprobleme bringen. Sein Distanzwurf ist ebenfalls um Welten besser als der von Carter, von der Verteidigung ganz zu schweigen (Lawson ist hier sicher keine Koryphäe, aber auch kein Polygon, das es lediglich zu umdribbeln gilt). Ganz ehrlich, was hat er verbrochen, dass er nicht mehr spielen darf? Ich kapiere das einfach nicht, zumal lawson ja bis zu seiner Verletzung bewiesen hat, wie wichtig er sein kann.

Was ebenfalls wichtig an seiner Spielweise ist: Die Denver Nuggets erinnern mich stark an die Miami heat aus dem Jahr 2006, was die Abhängigkeit von Freiwürfen angeht. Sicherlich haben sie auch so sehr gute Spieler, die nicht unbedingt an die Freiwurflinie müssen, um ein Spiel zu entscheiden. Aber auf Dauer ist es eben doch ein sehr großer Faktor im gesamten Konstrukt der Nuggets. Anthonys 26 Punkte gegen Orlando sehen schon nicht mehr ganz so rosig aus, wenn er dafür 25 Würfe benötigt oder in anderen Worten: Er war nicht so effektiv wie gewohnt. Chauncey Billups fiel während der gesamten Partie nicht großartig auf, unter anderem, weil er kein einziges Mal zur Freiwurflinie durfte. Wenn die Referees in den Playoffs so pfeiffen wie gegen Orlando - und es wäre nicht das erste Mal, das in der Endrunde mehr Körperkontakt zugelassen wird - muss sich Denver andere Wege einfallen lassen, um zu Punkten zu kommen. Gegen die Magic verließ man sich auf schlechte Würfe aus der Mitteldistanz, die ab Mitte des dritten Viertels nicht mehr fielen und somit Orlando die Gelegenheit gegeben wurde, das Spiel zu entscheiden. Eigentlich wäre es schon in der ersten Hälfte so gewesen, wenn nicht Malik Allen so ziemlich jeden Wurf versenkte. Aber dass man sich darauf besser nicht verlässt, zeigte dann der zweite Durchgang.

Alles in allem bin ich mittlerweile ernsthaft um die Nuggets besorgt, da Martin, sofern er dann überhaupt wieder fit ist, sich in den Playoffs einspielen muss. Auch die angesprochene Problematik mit den Mitteldistanzwürfen, die ebenfalls schon Anfang März von mir thematisiert wurde, scheint keine Eintagsfliege zu sein. Dazu die defensiven Probleme gegen gegnerische Forwards, die doch recht dünne Bank und das allgemein enge Tabellenbild in der Western Conference verheißen nichts gutes. Das back-to-back gegen Dallas heute Nacht dürfte mit der Anreise aus Orlando und dem Umstand, dass Anthony 41 Minuten auf dem Parkett stand, nur äußerst schwer zu gewinnen sein. Auch der restliche Spielplan - die Clippers sind der einzige Gegner mit negativer Bilanz - spricht nicht gerade für Denver. Ich fürchte sogar fast, dass man in der ersten Runde ausscheiden könnte. Anthony und Billups sprechen zwar dagegen, genauso wie das Selbstbewusstsein. Aber es müssen sich die genannten Spieler steigern bzw. überhaupt wieder eingesetzt werden, um den Abwärtstrend (1-4 aus den letzten Spielen) zu stoppen. Gefallen ist Denver (noch?) nicht, aber sie wanken bedrohlich.

Sonntag, 28. März 2010

Experimente

Eigentlich war es schon lange vorher klar, nun ist es offiziell: Die New Orleans Hornets werden zum ersten Mal seit drei Jahren wieder die Playoffs verpassen. Aus der Traum also, mit frischem Blut in Form von Emeka Okafor nach einer durchwachsenen Saison 2008/09 an das Überraschungsjahr 2008 anzuknüpfen. Spätestens mit der Verletzung plus Operation von Chris Paul waren jegliche Hoffnungen, die Endrunde zu erreichen, ad acta gelegt. Rookie Nick Collison spielte zwar fabulös, doch er kann nicht den zur Zeit besten Point Guard dieses Planeten ersetzen. Zumal dieser bis zur Verletzung Ende Januar in absoluter Galaform war und ein Double-Double im Schnitt bei unfassbar guten Quoten auflegte und auch defensiv der Anführer seines Teams war. Nun ist Chris Paul zwar wieder zurück, aber logischerweise viel zu spät, um das Ruder noch rumzureissen.

Es lohnt sich dennoch, gerade jetzt einen Blick auf die Franchise aus Louisiana zu werfen, geht es doch darum, die Weichen für die nächste Spielzeit zu stellen. Durch den allseits bekannten Sparzwang des Teambesitzers, den sinkenden Salary Cap und dem gleichzeitig ansteigenden Teamgehalt, sollte Darius Songaila seine Option ziehen (wovon auszugehen ist), ist nämlich insgesamt damit zu rechnen, dass sich das Team der Hornets nur geringfügig verändern wird. Aus den oben genannten Gründen ist sogar eher mit der Abgabe einiger Großverdiener zu rechnen, sofern es denn willige Abnehmer gibt. Somit dürfte es also auf die gleichen Spieler ankommen, die schon dieses Jahr für New Orleans aufliefen. Eine Frage, die dabei nicht nur mich interessiert: Wie wird Darren Collison in die Rotation eingebunden, seitdem mit Chris Paul der unumstrittene Spielmacher wieder da ist?

Eine erste - kleine - Antwort gab das Spiel gegen die Blazers gestern Nacht (die beiden vorherigen Spiele der Hornets konnte ich nicht sehen) und siehe da: Wenn Collison auf dem Parkett steht, agiert Chris Paul sehr viel mehr ohne Ball. Das mag insofern logisch sein, als dass Paul der im Vergleich zu Collison wesentlich bessere Shooter ist und somit ein besserer Verwerter von Kick-Outs. Andererseits geht dadurch natürlich auch eine der großen Stärken der Hornets verloren, da es Paul mit seiner herausragenden Spielübersicht versteht, Schützen in der anderen Ecke des Halfcourts zu sehen und zu bedienen. Mit anderen Worten: Der Wert eines Morris Peterson oder Peja Stojakovic ist für mich nicht mehr ganz so hoch, wenn Collison vermehrt den Ballvortrag übernimmt. Zudem sehe ich in Collison auch durchaus Potential, ohne den Ball zu agieren: Pässe von Paul kann er immer noch fangen, um dann zum Korb zu ziehen oder aus der Mitteldistanz den Abschluss zu suchen. Der Dreier sitzt zwar auch halbwegs verlässlich, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass Collison ihn nur sehr, sehr ungern nimmt. Wie auch immer: Allein das Interesse, wie diese Problematik gelöst wird, wird mich noch zu dem einen oder anderen Hornets-Spiel in dieser Saison führen.

Die andere Frage, die sich bei mir stellt: Kann Marcus Thornton seine jetzige Chance in der Starting Five nutzen, um sich seinen Platz zu sichern? Das Spiel gegen Portland verneint diese Frage eher, aber die 24 PPG in den beiden Partien zuvor sprechen doch eine andere Sprache. Im Grunde dürfte sich die Frage nicht stellen, da er aus meiner Sicht der zweifellos talentierteste aller Bewerber um den Platz als Shooting Guard ist. Morris Peterson kann gegen Thornton nicht das Dreierargument spielen, dazu ist Thornton in der Offensive auch noch deutlich variabler, sprich: Mit mehr Zug zum Korb ausgestattet oder mit dem größeren Verständnis, Screens auszunutzen (in der langsamen Offense der Hornets ist das aus meiner Sicht essentiell). Defensiv nimmt er sich dagegen nicht viel gegenüber den anderen Bewerbern: Sowohl Thornton als auch Peterson oder Stojakovic sind hier unterer Durchschnitt, wenn überhaupt. Julian Wright und James Posey vermochten diesen umstand aber aufgrund ihres Seuchenjahres auch nicht zu nutzen, weshalb ich inständig hoffe, dass Thornton ab dem nächsten Jahr regelmäßig startet.

Gespannt bin ich auch darauf, wie die Hornets ihren doch recht guten Draftpick nutzen werden. Ausgehend davon, dass einer der beiden auslaufenden Verträge mit Marks und Gray verlängert wird: Es wäre wohl keine schlechte Idee, sich einen Flügel mit starker Defensive zu holen, falls es denn jemanden gibt. Xavier Henry ist mit der einzige SG/SF, der in den Mocks in der Region des 12. Picks gelistet wird, machte aber defensiv auf mich keinen herausragenden Eindruck. Fakt ist nur, dass hier etwas passieren muss, weil die Hornets regelmäßig von den gegnerischen Swingmen erledigt werden. Ich würde nicht darauf bauen, dass entweder Posey, der doch in die Jahre gekommen ist, oder Wright, dessen Chance wohl selten größer war als in diesem Jahr, urplötzlich eine extreme Leistungssteigerung hinlegen. Und so gerne ich mir die Hornets auch ansehen mag: Ohne Perimeterverteidiger ist man in der NBA verloren. Chris Paul ist zu klein, um Zweier oder Dreier effektiv zu verteidigen, weshalb hier der wohl dringendste Handlungsbedarf besteht. Denn ansonsten, sollten die Eckpfeiler des Teams zusammenbleiben, kann es im nächsten Jahr doch wieder rosig aussehen in "The Big Easy". Und das sollte es besser auch, wenn man Chris Paul davon überzeugen will, seinen Vertrag bei den Hornets zu verlängern.

Heimspiel

So hätte sich das vermutlich kaum jemand vorgestellt, aber Butler hat es tatsächlich geschafft und das Final Four in der Heimatstadt Indianapolis erreicht. Wenn man auf dem Weg dorthin mit Syracuse und Kansas State die beiden besten Seeds der eigenen Region eliminiert, kann man vermutlich auch davon reden, dass der Erfolg verdient ist. Ich persönlich habe zwar eher der Kansas State University die Daumen gedrückt, nachdem sie vorgestern gegen Xavier das bislang wohl beste Spiel der March Madness absolviert hatten. Andererseits muss dann doch eher zum Attribut "unterdurchschnittlich" tendierendes Coaching in diesem fortgeschrittenen Stadium des Turnierverlaufs bestraft werden, weshalb es für mich keine große Überraschung war, dass Butler am Ende den Einzug ins Final Four schaffte.

Was Kansas State dazu geritten hat, in der zweiten Hälfte nicht weiterhin Curtis Kelly zu suchen, weiß ich nicht. Was ich weiß, ist, das Curtis Kelly phasenweise wie ein todsicherer Lottery-Pick aussah: Nicht nur der Kommentator gerat ins Schwärmen über "Olajuwon-like" Bewegungen im Post, auch ein Sprungwurf, der eine Mischung aus Fadeaway, Turnaround und einer komisch aussehenden Flugbahn seitlich über den Court besteht, zauberte mir ein unglaubliches Staunen aufs Gesicht. Das noch viel bessere aus der Sicht von Kansas State war, dass Butler niemand in seinen Reihen wusste, der es mit Kelly im Post aufnehmen konnte. Wieso also um alles in der Welt Kelly in der zweiten Hälfte nicht mehr ins Offensivspiel involviert wurde, obwohl er anspielbereit im Lowpost stand und lautstark den Ball forderte - I don't know. Stattdessen hat Aufbau Denis Clemente ein insgesamt durchwachsenes Spiel mit einer Crunchtime, die nur als mittlere Katastrophe zu bezeichnen ist, abgeschlossen. Jacob Pullen trat ebenso vornehmlich mit Fehlwürfen in Erscheinung, aber nach der Vorstellung der beiden gegen Xavier will ich hier nicht meckern. Spielentscheidend waren für mich das fehlende Ausnutzen von Kellys Galavorstellung sowie teils dämliche Defense (unter anderem der Screen mit anschließendem Backdoor-Cut des Butler-Bigs, der dreimal funktionierte).

Zu Butler: Ich weiß ehrlich gesagt immer noch nicht, was sie als Team insgesamt so gut macht. OK, die Verteidigung ist ohne Wenn und Aber erstklassig, gerade in der Phase des entscheidenden Runs von 51:52 auf den 63:56-Endstand. Die Perimeter-Defense in der Phase war einfach überragend, das muss man neidlos anerkennen. Ein anderer Faktor ist natürlich Gordon Hayward, den ich zum ersten Mal spielen sah. Erster Eindruck: Überraschend gute Athletik, hohes Spielverständnis, nimmt meistens gute Würfe und ein Stepback-Jumper zum Verlieben. Insgesamt wird er in der NBA wohl eher ein Rollenspieler von der Bank werden, aber ein Guter. Carl Landry mit weniger Athletik wäre der erste Vergleich, der mir einfällt.

Gerade läuft West Virginia gegen Kentucky und nach einem beginn, der mich befürchten ließ, dass Kentucky wie so oft den Gegner einfach überrennt, hat Butler gerade seinen vierten Dreier in Folge verwandelt, während sein Team in der gerade abgelaufenen ersten Hälfte keinen der 28 Punkte innerhalb der Dreierlinie erzielte (Freiwürfe ausgenommen). Dürfte sicherlich auch für irgendeinen Rekord gut sein. Was meine persönliche Stimmungslage betrifft - trotz des großartigen Turniers trauere ich noch immer dem Ausscheiden der Ohio State Buckeyes hinterher. Zum einen, weil ich Evan Turner (der eine oder andere dürfte es gemerkt haben) einfach gerne spielen sehe, zum anderen, weil damit auch eine Bloggerkarriere endet, von der ich erst viel zu spät erfahren habe. Wer Zeit hat, sollte neben dem verlinkten Blogeintrag auch den Podcast auf der Seite von Bill Simmons runterladen und anhören, in dem Mark Titus und er über das noch laufende Turnier plaudern.

Freitag, 26. März 2010

No place in the world that could compare

Die Zeile aus Jay-Z's Megahit Empire State of Mind richtet sich eigentlich an New York. Basketballtechnisch dürfte sie wohl eher auf Portland zutreffen. Seitdem die Trail Blazers die einzige Franchise aus einer der vier Main Leagues sind, die in Oregon residiert, ist die Beigeisterung für die Blazers unermesslich groß. Seitdem es mit der Franchise sportlich wieder bergauf geht, könnten die Blazers wahrscheinlich 40.000 Tickets pro Spiel verkaufen und würden trotzdem immer ein volles Haus haben. Keine andere Stadt in den Staaten liebt sein Profiteam so abgöttisch, redet so viel darüber wie es Portland mit den Blazers tut.

Demzufolge ist es nur logisch, dass genau hier die Entlassung eines Assistenten von GM Kevin Pritchard einen Sturm der Entrüstung entfachte, den ich am Anfang etwas belächelt habe, der aber mittlerweile zu ernsthafteren Konsequenzen führen könnte. Seit der Entlassung von Tom Penn erscheint nämlich auch die Zukunft von Kevin Pritchard alles andere als sicher und genau hier verstehe ich dann die Wut der Fans völlig. Immerhin scheint sich Blazers-Besitzer und Microsoft-Anteilseigner Paul Allen nicht ganz im Klaren zu sein, was er an Pritchard hat. Nur zur Info: Die Blazers haben in diesem Jahr die niedrigste Payroll der gesametn NBA. Und das bei einem Kader, der in Bestbesetzung wohl zu den besten im Westen gehören würde!

Ich frage mich mancmal, wo das Hirn der Teambesitzer bleibt. Donald Sterling sieht jahrelang zu, wie Dunleavy ein hoffnungsvolles und junges Team den Bach runtergehen lässt. Bob Dolan lässt Isiah Thomas viel zu lange die Geschicke der Knicks leiten. Der Besitzer der Grizzlies hätte Chris Wallace nach dem Gasol-Trade sofort entlassen sollen. Nun also Paul Allen: Statt dankbar dafür zu sein, dass Pritchard mit einem Trade zur Deadline den Blazers einen der besten Center ligaweit bescherte, ohne unersetzbare Spieler abzugeben, die bereits erwähnte Payroll extrem niedrig zu halten und dennoch einen Beinahe-Contender aufzubauen, kann er sich nicht einmal zu einem klaren Bekenntnis pro Pritchard durchringen. Das würde mich als Blazers-Fan auch auf die Palme bringen. Ich kann nur hoffen, dass die Geschichte für Allen glimpflich endet, ehe er irgendwann Pritchard nachtrauert (was er zweifellos tun würde).

Übrigens, um die Basketballverrücktheit der Stadt in einem Artikel zusammengefasst zu begreifen, sei kurz aus einem aktuellen Artikel des Oregonian zitiert:
"Given that he could have ended the speculation on Thursday, I'm not sure we need to hear anything more from Paul Allen. But I asked him at the end of the first half, as he headed into the room he uses as an office, if he'd mind going stronger with the comments on Kevin Pritchard. The Blazers owner waved me off and shook his head. I asked him if there was anything more he wanted to say to Blazers fans. He hurried off, waving his hands and shaking his head. He finally nudged one of his private security guards and pointed at me before disappearing into a room with a small group that included Vulcan executive Bert Kolde, who was puffing his chest out at me. After the door closed, a second security guard turned to me and said, 'Keep writing what you write.' Funny moment, that one. Because elsewhere in the arena during the game, a couple dozen fans were holding up 'Fans (heart) KP' signs, pointing them toward the court. An usher came up and told them to point the signs toward the TV cameras to their right."
Wo sonst gibt es solche Ordner und Sicherheitsleute?

Mittwoch, 24. März 2010

Die Zukunft der Zauberer?

Ja, Washington hat berechtigterweise eine Menge Kritik einstecken müssen, nachdem man Mitte Februar erst die Mavericks und anschließend die Cleveland Cavaliers mit (Ex-) All Stars versorgte, ohne einen nennenswerten Gegenwert zu verlangen. Begründet wurde das alles mit einem Rebuild, den Bill Simmons in gewohnt treffender wie ironischer Manier kommentierte: "Um, yes, everybody wanna play with a headcase like Arenas beside him." Als sich die Aufregung um diese Trades langsam legte, begann man immerhin zu merken, dass in Washington auch einiges an Talent brach lag (als wenn man das nicht schon früher gewusst hätte): Javale McGee und Andray Blatche auf den großen Positionen sowie Nick Young als Shooting Guard sahen dramatisch mehr Einsatzzeit, die sie in gute Leistungen ummünzen konnten. Besonders hervor tat sich dabei Andray Blatche, der plötzlich am Fließband 20/10-Spiele mit ein paar Blocks und Steals hinlegte. Das ging sogar so weit, dass sich einige in Washington fragten, ob Blatche nicht derjenige ist, um den herum das Team aufgebaut werden sollte.

Grundsätzlich kann man auch leicht ins Schwärmen kommen, wenn man sich ein paar Spiele von ihm ansieht: Sein Wurf reicht bis knapp vor die Dreierlinie, wird aber immer wieder mit Drives zum Korb gemixt, um nicht zu ausrechenbar zu werden. Aus dem Post heraus besitzt er einen todsicheren Fadeaway, der bei seiner Größe ähnlich unblockbar ist wie jener von Kevin Garnett oder Dirk Nowitzki. Und schon alleine die Tatsache, dass ich Blatche mit zwei der besten Power Forwards der letzten Dekade vergleiche, sollte zeigen, was für ein Talent in ihm schlummert. Dabei ist er gerade einmal 23 Jahre alt. Wenn man dann noch bedenkt, dass er seine Rebounds nicht holt, weil der Ball mal zufällig zu ihm springt (Hallo, Amare Stoudemire!), sondern weil er einach weiß, wo der Ball landen wird und dementsprechend gut ausboxt sowie sein Potential als Verteidiger in Betracht zieht - er hat bisher jegliche Einstellung vermissen lassen, aber Agilität plus Physis sind bei ihm für einen wunderbaren Verteidiger vorhanden - ja, wieso denn eigentlich nicht? Klingt doch nach einem potentiellen Go-to-guy, vielleicht sogar Franchise-Player (er wäre dann offiziell der Danny Granger der Big Men - talentiert, darf aber niemals die erste Geige spielen, will man (Conference-)Meisterschaften holen).

Wieso Andray Blatche das niemals sein wird, hat er dann in den letzten Wochen gezeigt: Erst einmal wird rumgemeckert, dass er viel zu wenig verdiene und er mittlerweile seinen damals abgeschlossenen Vertrag bereue. Abgesehen davon, dass Blatche nur spekuliert, dass er eventuell All Star sein könne usw. - das ist nicht die Einstellung von jemandem, der sich um das Wohl seines Teams kümmert. Dabei sollte genau das die oberste Priorität eines etwaigen Stützpfeilers einer Mannschaft sein. Wie will er jemals ernsthaft den Anspruch erheben, ein Team anzuführen, wenn er an erster, zweiter und dritter Stelle über seine persönliche Situation nachdenkt?

Dass er diesen Anspruch aber gar nicht hat, zeigte dann sein Verhalten in der letzten Nacht. Wie blöd, egoistisch, was weiß ich nicht alles kann man sein? Wenn Flip Saunders sagt, dass er solch ein Verhalten in seiner Trainerlaufbahn noch nicht erlebt habe - hier redet der ehemalige Coach von Spielern wie Latrell Sprewell oder Rasheed Wallace -, will das schon was heißen. Man weiß immer, dass ein Spieler nie die richtige Einstellung haben wird, wenn er Anweisungen (in dem Falle waren es sogar eher Ratschläge denn richtige Anweisungen) eines Coaches in der Form missachtet. Man weiß auch, dass er mit so einem Verhalten von seinen Teamkollegen nie als echter Leader akzeptiert werden wird. Und wir wissen jetzt auch, dass in Washington bestenfalls der nächste Problemfall, aber in keinem Fall das nächste Gesicht der Franchise vorhanden ist. Und mal rein hypothetisch: Sollte Josh Howard in der Hauptstadt bleiben (was ich nicht glaube), könnten theoretisch im nächsten Jahr Gilbert Arenas, Howard und Blatche gemeinsam auflaufen. Mit wie vielen Bällen wird Basketball noch einmal gespielt?

Dienstag, 23. März 2010

Was gute und außergewöhnliche Spieler unterschiedet

Es besteht kein Zweifel, dass es diesen Unterschied gibt, der vielleicht nur in Nuancen zu spüren ist, aber der sich bei jedem fest einbrennt. Es ist der kleine Unterschied, der Kevin Durant von Danny Granger trennt. Oder Deron Williams von Jameer Nelson. Beispiele lassen sich genug finden, aber was genau macht diesen Unterschied aus? Natürlich habe auch ich kein Patentrezept darauf, aber zwei Spiele des letzten Wochenendes - Boston gegen Dallas und Ohio State gegen Georgia Tech - lassen zumindest erahnen, wo er zu sehen ist.

Zum Beispiel im Ehrgeiz, umgewandelt in unbändigen Einsatz: Paul Pierce zeigte ihn gegen Dallas, als das Spiel im dritten Viertel nach deutlicher Führung der Celtics zu kippen drohte. Ray Allen traf plötzlich nicht mehr, Rajon Rondo war ebenso nur physisch anwesend, während Dirk Nowitzki damit begann, so ziemlich jeden Wurf zu treffen, den er wollte. Zwei, drei energische Drives zum Korb, einer davon mit dem berühmten Zusatz "and one" versehen, ein clever gezogenes Offensivfoul - mindestens die Hälfte der in der NBA aktiven Spieler hätten einen Fuß in der sog. restricted area gehabt - und schon verhalf er seinem Team zur Führung nach dem dritten Viertel. Genauso entschlossen war sein Ehrgeiz, als er aufs parkett zurückkam und Dallas gerade den Vorsprung auf sieben Punkte ausgebaut hatte. Ein Turnaround-Jumper, in der Schlussphase der Ballgewinn plus Vorlage auf Rondo und schließlich der Dreier, der Boston den Sieg sicherte und der auch nur von Pierce getroffen werden konnte. Viele redeten hinterher von Rondo als Gamewinner, aber nicht nur aufgrund seiner Höchstpunktzahl von 29 an diesem Abend war das Pierce - als es darauf ankam, war er da. Dass er vielleicht nicht zu den außergewöhnlichsten Spielern der Liga gehört, konnte man dann gestern gegen Utah sehen, als er eben jene Mentalität vermissen ließ. Aber kaum jemand wird bestreiten wollen, dass Pierce von Zeit zu Zeit in genau diesen Modus findet, der von Bill Simmons in zutreffendster Weise mit dem Satz beschrieben wird: "There's no way I will lose this effing game."

Ähnliches ließ sich auch in der zweiten Runde der March Madness verfolgen, als die Ohio State Buckeyes in der ersten Hälfte gegen Georgia Tech doch gehörige Probleme hatten, ins Spiel zu finden. Evan Turner hat nach einem eher durchwachsenen Auftakt auch einen schweren Start in dieses Spiel gehabt, aber man hat ihm auch angemerkt, dass er bereit war, sein Team zu tragen. Diebler, in der ersten Runde gegen Santa Barbara noch traumwandlerisch sicher aus der Distanz, setzte jeden seiner Dreierversuche auf den Ring. Bufford war ebenso ein Nonfactor, Lighty war....naja, Lighty eben. Im Rahmen seiner Möglichkeiten ok, aber nach wie vor ein furchtbarer Guard (was aber gegen den - let's say it - erbärmlichen Kader der Yellow Jackets nicht so extrem auffiel). Turner mag nicht die beste Wurfquote gehabt haben, aber er hat trotzdem jedem, der das Spiel gesehen hat, das Gefühl vermittelt: Ich lasse nicht zu, dass Ohio State dieses Spiel verliert. Heute ist für uns dieses Turnier nicht vorbei. Es ist kein Zufall, dass Turner zwei Drittel seiner Punkte im ersten Durchgang markierte - und auch wenn es blöd klingen mag, sie waren dort wesentlich wertvoller als im zweiten Durchgang, als Diebler wieder seinen Touch fand, Bufford aus seiner Lethargie erwachte und Lighty für die Phase des 14-2 Laufes sogar wie ein passabler Guard aussah. Es spricht übrigens für Turner, dass er sich dem Rhythmus des Spiels anpasste und seine Teamkollegen, sobald sie besser trafen, spürbar öfter in Szene setzte.

Jedenfalls, um diesen Gedanken abzuschließen: Außergewöhnliche Spieler zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihr Team in den wichtigsten Phasen des Spiels tragen. Dass sie diesen Willen, ein Spiel zu gewinnen, wesentlich stärker zeigen als jeder andere auf dem Court. Und man hat am Wochenende gemerkt, dass den Kansas Jayhawks genau dieser Spielertypus gefehlt hat - niemand zeigte wirklich, dass er dieses Spiel gewinnen wollte. Jeder schob die Verantwortung ab und so kam es, wie es kommen musste: Einer der größeren Upsets in der Geschichte der March Madness fand statt. In den letzten Tagen sind über diese Partie und Ali Farokhmanesh gefühlt Millionen von Artikeln, Blogeinträgen und Fernsehreportagen erschienen. Eine der meiner Meinung nach besten Veröffentlichungen dazu stammt aus Deutschland, genauer gesagt aus der Gruebelei, und sollte als Pflichtlektüre gelten.

Zum Abschluss noch meine zwei Cents für das Sweet Sixteen in Form der Prognose für das Elite Eight. Hat sich im bisherigen Verlauf der March Madness zwar als völlig unbrauchbar herausgestellt, da es eh immer wieder Außernseiter schaffen, aber was soll's:

East Region: Kentucky vs. West Virginia
Midwest Region: Ohio State vs. Michigan State
West Region: Syracuse vs. Kansas State
South Region: St. Mary's vs. Duke (Weil St. Mary's System Center + 3000 Shooter in der NCAA zu gut funktioniert)

Sonntag, 21. März 2010

Bring Powe back, please

Gerade, als man sie wieder abschreiben wollte, haben die Boston Celtics ihre Kritiker wieder eines besseren belehrt: Zwei Siege in Houston und Dallas haben schlagartig klar gemacht, wie gut dieses Team eigentlich ist. Favorit im Osten werden die Celtics zwar nicht mehr, aber die Intensität in den letzten Spielen hat sich deutlich erhöht. Man hat wieder das Gefühl, dass da fünf Leute auf dem Parkett stehen, die alles für den anderen geben, denen kein Laufweg zu weit ist, die sich durch jeden Block kämpfen und ein grandioses Timing in den defensiven Rotationen zeigen. Und dann kommt Rasheed Wallace aufs Parkett...

Es ging mir ehrlich gesagt am Anfang der Saison ziemlich auf die Nerven, dass alle auf ihm rumgehackt haben. Ich dachte immer, dass ein Veteran wie er genau weiß, wann er in Form zu sein hat, dass das letzte Jahr in Detroit nur der nach dem Billups-Trade in sich zusammenfallenden Teamchemie geschuldet war und er der Spieler sein kann, der Boston zur zweiten Meisterschaft dieses Jahrtausends verhelfen kann. Grundsätzlich ist sein Paket ja auch ein Traum: Welcher beinahe sieben Fuß große Spieler hat schon ein kaum zu verteidigendes Postspiel, einen sicheren Distanzwurf und dazu noch die Fähigkeit, in der Verteidigung jeden Big Man zur Verzweiflung zu treiben? Das war jedenfalls so, bevor Wallace alt und übergewichtig wurde, sich in einen mittlerweile wackligen Dreier verliebte und defensiv nicht einmal mehr ein Schatten seines früheren selbst darstellte. Wobei ich ihm immerhin bescheinige, sein Spiel in letzter Zeit deutlich von der Dreierlinie in den Post verlagert zu haben. Das war es aber auch schon.

Gerade defensiv spielt er in den eigentlichen Plänen eine wichtige Rolle. Die gesamte zweite Fünf von Boston, Robinson mal ausgenommen, ist eigentlich darauf bedacht, den Gegner am Punkten zu hindern. Marquis Daniels wäre völlig fehl am Platz, würde er nicht eine so starke Verteidigung spielen. Glen Davis bleibt nach wie vor ein eher limitierter Spieler, der aber über seinen unbändigen Einsatz viel rausholt. Wallace dagegen lässt diesen völlig vermissen. Beispiele lassen sich im Sieg letzte Nacht gegen Dallas genug finden. Er macht sich kaum einmal die Mühe, zum Block hochzugehen - wieso sollte man auch einen heiß laufenden Nowitzki verteidigen? In der Phase gegen Anfang des vierten Viertels, als dallas kurzzeitig auf sieben Punkte wegzog, rannte er einem Fastbreak von Barea gegen Robinson hinterher. Barea geht zum Layup hoch, Wallace ist schon in der Zone und könnte eigentlich einen recht einfachen Block landen, trottet aber lieber zur Grundlinie, um den Ball einzuwerfen. Dazu kamen ein dummes Foul und eine totale Unfähigkeit, Pick and Rolls zu verteidigen. Um das Kind beim Namen zu nennen: Momentan schadet Wallace den Celtics eher, als dass er ihnen nützt. Ein weiterer Hustler wie Glen Davis würde dem Team viel mehr helfen. Ein Hustler, wie es Leon powe war. Ich kann zwar verstehen, dass Boston das Angebot der Cavaliers im Sommer nicht gekontert hat, weil ich ihn für etwas überbezahlt halte. Dennoch wünsche ich mir ihn immer sehnlicher zurück.

Wieso Boston dennoch gewonnen hat? Weil Paul Pierce aus seiner Krise raus scheint und gestern irgendwann im Laufe des dritten Viertels beschlossen hat, dass sein Team dieses Spiel nicht verliert. Energische Drives zum Korb, ein angenommenes Offensivfoul und vorbildliche Einstellung von ihm haben Boston durch eine Phase im dritten Viertel getragen, als ich dachte, dass das Spiel zu Gunsten der Mavericks kippen würde. Ebenso beeindruckend sein Auftreten, als er im Schlussviertel wieder aufs Parkett kam, das Defizit der Celtics aufholte und das Spiel mit seinem Dreier zum 97:93 sowie dem anschließenden Steal plus Assist entschied. Kurzum: Pierce zeigte genau das, was ich mir von ihm in engen Spielen erwarte und was Boston braucht, will man in den Playoffs besser abschneiden als im vergangenen Jahr.

PS: Wer mir langsam Angst macht, sind die Milwaukee Bucks. Back to back, Bogut mit Foulproblemen, Jennings mit einer laut Boxscore schwachen Vorstellung und trotzdem ein Sieg in Denver? Zweite Runde, here we go!

Samstag, 20. März 2010

Beobachtungen

Bislang habe ich die NCAA-Saison kaum verfolgt. Klar, das eine oder andere Spiel von Kentucky oder Gonzaga, einer gewissen Prise Patriotismus sei Dank, hat man gesehen, aber seitdem mich ein schlechter Kabelempfang in der neuen Wohnung um NASN/ESPN America brachte, ließ das Interesse am College-Basketball doch stark nach. Mit Beginn der March Madness entflammte selbiges aber wieder, weshalb ich mich am Donnerstag nach stundenlangem Hören von Podcasts und Studium der eingängigen Seiten halbwegs vorbereitet die Partie zwischen Robert Morris und Villanova sah.

Dass die South Region die wohl schwächste Region im diesjährigen Turnier ist, war schon vorher eingängige Meinung. Wer sieht, wie sich Villanova als zweiter Seed präsentiert, weiß auch, warum. Völlig uninspiriertes Spiel, gnadenlose Unterlegenheit im Rebounding und eine Anzahl schlechter Würfe, wie sie selbst auf NCAA-Niveau unüblich ist. Der Backcourt der Wildcats, Fisher und Reynolds, haben mich alles andere als überzeugt. Dabei fand ich gerade Fisher unterirdisch schlecht: Katastrophale Wurfauswahl (in der Hinsicht schlechtester in seinem Team), kein Bemühen, seine Mitspieler besser zu machen und eine lasche Verteidigung. Ich dachte eigentlich, dass das Spiel mit dem Dreier plus Foul von Karon Abraham (Wieso hat er mich die ganze Zeit an Nate Robinson erinnert?) zu Gunsten des Underdogs gelaufen sei, aber die Referees haben scheinbar eine nicht unerhebliche Menge Geld auf Villanova gesetzt. Ich bin zwar kein Fan davon, Niederlagen auf die Schiedsrichter zu schieben, aber seht euch die Schlussphase der regulären Spielzeit an - unglaublich, was da gepfiffen wurde.

Das zweite Spiel an diesem ersten richtigen Tag der March Madness war der Upset der Bobcats gegen die Hoyas, allerdings nur zur Hälfte gesehen. Das Resultat kennt jeder, das Spiel war eher selten wirklich spannend und mein Fokus lag auf Greg Monroe, immerhin Top 10-Material in den meisten Mock Drafts. Teilweise überhasteten Aktionen zum Trotz muss ich sagen, dass ich ihn schon beeindruckend fand: Vielfältiges Offensiv-Repertoire, starkes Rebounding und vor allem ein extrem gutes Auge für die Mitspieler. Es darf natürlich die Frage erlaubt sein, ob er mit seiner etwas unathletischen Spielweise in der NBA Erfolg haben wird, aber ich sehe in ihm mehr Potential als beispielsweise Hasheem Thabett, immerhin zweiter Pick des diesjährigen Drafts. OK, ist auch nicht besonders schwer, aber immerhin.

Letztes gesehenes Spiel der ersten Runde war das Aufeinandertreffen von Ohio State und Santa Clara. Um es kurz zu machen: Jedes Team, das bereits über einen guten Point Guard verfügt (und das sind mittlerweile recht viele), sollte sich ernsthafte GEdanken machen, Evan Turner an Eins zu wählen. Auch wenn er gestern sicherlich nicht seinen größten Auftritt hatte: Ein 6'7-Spieler, der das Ballhandling eines Point Guards hat und dazu dominant an den Boards auftritt (von seinen zehn Rebounds holte er die wenigsten, weil er zufällig richtig stand), zum Korb ziehen oder aus der Distanz werfen kann und einem das Gefühl gibt, dass er jederzeit an jede Stelle des Courts kommen kann, wenn er will - was gibt es besseres? Wäre dazu sein Backcourt nicht so miserabel, würden seine Assist-Zahlen wohl deutlich nach oben schnellen.

Die wirken ohnehin schon beeindruckend genug, wenn man bedenkt, dass Ohio State keinen einzigen Postspieler hat. Dallas Lauderdale ist zwar eine imposante Erscheinung und wirkt selbst im Fernsehen größer, als er eigentlich ist, aber offensiv kann er wenig bieten. So muss Turner also mit David Lighty Vorlieb nehmen, den ich ohne Bedenken Villanova vorschlagen würde: Scheuklappen ohne Ende (soll ich Jon Diebler den Ball geben, wenn er gerade auch vom Parkplatz aus treffen würde und völlig frei steht? Nein, ich nehme lieber den Floater mit zwei Spielern direkt vor mir), Würfe, bei denen man sich fragt, wieso er sie nimmt und unbedrängte Airballs - es war nicht gerade sein Spiel, um es vorsichtig zu formulieren.

Das war es erst einmal von meiner Seite zur ersten Runde. Insgesamt ist mir mal wieder deutlich aufgefallen, dass zwischen NCAA und NBA Welten liegen - im Spieltempo, in der Qualität, einfach in allem. Keine bahnbrechend neue Erkenntnis, aber nach einer langen Pause noch auffälliger als sonst.

Donnerstag, 18. März 2010

Kanonenfutter

Was anderes fällt mir momentan kaum ein, wenn ich einen Gedanken an die Toronto Raptors in den Playoffs verliere. Natürlich ist es leicht, dass nach einer Negativserie zu schreiben, die die Kanadier vom fünften auf den achten Platz absacken ließ, aber selbst der gestrige Sieg gegen die gehandicapten, weil ohne Joe Johnson antretenden Atlanta Hawks hat mehr als deutlich gezeigt, dass dieses Team in der ersten Playoff-Runde wohl der heißeste Kandidat auf einen Sweep ist. Womit dann auch der Abschied von Chris Bosh im Sommer unvermeidlich werden dürfte - alles in allem keine rosige Zukunft, in die Toronto da blickt.

Wieso Toronto momentan so strauchelt, lässt sich eigentlich mit einem Wort beschreiben: Verteidigung. Beziehungsweise das Fehlen selbiger. Man musste schon vor der Saison kein großer Prophet sein, um zu sagen, dass ein Team mit Calderon, Turkoglu und Bargnani in der Starting Five sein Heil eher in der Offensive suchen muss. Von DeMar DeRozan habe ich mir hier eigentlich etwas mehr erhofft, aber auch er spielt alles in allem eine durchschnittliche Verteidigung. Sein Bemühen, nicht auf Pump Fakes reinzufallen und billige Fouls zu kassieren in allen Ehren, aber er darf auch mal zum Block hochgehen. Wie Maurice Evans oder Jamal Crawford gestern einfach über ihn werfen konnten im Bewusstsein, dass DeRozan am Boden bleibt, hat mich geschockt. Auch von der Bank kommen mit Jack, Weems oder Amir Johnson nicht gerade die Spieler, die jemanden völlig abmelden können. Insgesamt muss man konstatieren, dass Chris Bosh der beste Verteidiger ist, der viel Spielzeit sieht (Reggie Evans ist besser, aber spielt bestenfalls zehn Minuten) - kein gutes Zeichen.

Was aber im Defensivtorso der Raptors noch einmal besonders heraussticht, ist die komplette Unfähigkeit, den Perimeter zu verteidigen. In den letzten fünf Spielen trafen 46 von 91 Dreierversuchen gegen die Raptors ihr Ziel. Mit anderen Worten: Toronto ließ in der Zeit mehr fünfzig Prozent von der Dreierlinie zu. Und da ist noch das Lakers-Spiel eingerechnet, in dem die Lila-Gelben nur drei ihrer 15 Versuche durch die Reuse brachten. Diese Werte sind absolut katastrophal und eigentlich alleine schon ausreichend, um zu prognostizieren, dass eine Serie gegen Cleveland kein Spaß werden dürfte. Ist ja schließlich nur eines der besten Teams der Liga, wenn es um die Effektivität von jenseits des Dreierbogens geht. Dass Coach Triano gerne eine 2-3 Zonenverteidigung praktizieren lässt, nehme ich ihm angesichts der furchtbaren Individualverteidiger nicht übel. Aber ob es das wirklich sein kann, wenn man den Distanzwurf nicht verteidigen kann - und jeder Basketballfan weiß, dass eine 2-3 Zone zwangsläufig zu mehr offenen Dreiern führt -, wage ich zu bezweifeln.

So bleibt mir insgesamt nur zu sagen, dass mir Chris Bosh wirklich leid tut. Er ist zwar nicht gerade mein Lieblingsspieler und ich bin auch nicht der Meinung, dass man mit Chris Bosh als bestem Spieler jemals einen Ring holen wird (es sei denn, er entwickelt endlich mal ein Postspiel, aber davon ist nichts zu sehen), aber es ist frappierend, wie deutlich er in einem mittelmäßigen Team heraussticht. Andrea Bargnani, früher gerne mal als Nowitzki für Arme verspottet, darf mittlerweile nicht einmal mehr mit selbigen in einem Satz erwähnt werden. Dafür ist er defensiv eine viel größere Katastrophe und offensiv trennen die beiden auch Welten. José Calderon scheint es bei dem einen starken Frühjahr zu belassen, als alle seinen Durchbruch feierten. Seit nunmehr zwei Saisons wartet man aber vergeblich auf konstant starke Leistungen von ihm. Hedo Turkoglu habe ich beinahe nicht wiedererkannt und wenn er nicht den Aufbau übernimmt sowie durch Picks zu Mismatches kommt (sprich: Wenn er nicht so spielen darf wie in Orlando), sieht er plötzlich sehr limitiert aus. Die kommende Saison in Toronto, sofern sie ohne Bosh stattfindet (und ich würde es mir für ihn sogar wünschen, weil er einfach besseres verdient hat), dürfte sehr lang werden.

Dienstag, 16. März 2010

Was man wissen sollte...

Ich habe keine Ahnung, ob das eine regelmäßige Kategorie wird oder nicht, aber mir sind jetzt immerhin zwei Sachen eingefallen, die keinen eigenen Post rechtefrtigen, aber dennoch zur Kenntnis genommen werden sollten. Als da wären:

Das leidige Thema Statistiken. Beziehungsweise (mal wieder) advanced Statistics. Diesmal werden die "Wins produced" genommen, um zu erklären, dass Kobe BRyant nicht der beste oder zweitbeste, sondern viertbeste Shooting Guard ist, der seit 1978 auflief. Mal ganz abgesehen davon, dass mit Jerry West und Oscar Robertson (sofern man ihn auf eine Position festlegen will) zwei der besten Shooting Guards aller Zeiten fehlen, nur folgendes: Wie in aller Welt kann man versuchen, mit EINER Statistik zu rechtfertigen, dass Clyde Drexler und Reggie Miller besser waren? OK, es wird gesagt, dass Miller noch abgefangen werden wird.

Aber ehrlich, man kann sich mittlerweile auf zwei Dinge geeinigt haben: Kobe wird niemals besser sein als Michael Jordan, wenngleich er zum Zeitpunkt seines Rücktritts vielleicht in ein paar relevanten Kategorien vorne liegen wird. Man kann aber auch bei aller Antipathie, die man gegen ihn haben mag, zugeben, dass er mehr als deutlich vor allen anderen liegt, wenn es um den zweitbesten Shooting Guard geht, den wir bisher erleben durften. Ein Vergleich mit Clyde Drexler oder gar Reggie Miller ist einfach nicht fair. Dafür ist Kobe zu gut. Ende der Diskussion. Danke.

(Um eines zu klären: Ich habe nichts gegen neue Statistiken, auch wenn ich finde, dass es andere gibt, die interessanter wären. Aber mit einer einzigen Statistik so etwas zu behaupten, ist aberwitzig. man sollte sich Spiele auch noch ansehen, um sich ein Urteil über Spieler zu bilden.)

Das andere, nur ganz kurz: Die March Madness steht ab Donnerstag an und wird sicherlich auch in diesem Blog mit dem einen oder anderen Beitrag begleitet werden. Das wichtigste aber schon einmal vorweg: Die Spiele sind kostenfrei per Livestream zu verfolgen. Das sollte dann Anreiz genug für alle sein, sich das anzusehen. Wer sich vorab informieren will, kann das bevorzugt hier tun:

Collegehoopsnet.com: Erstklassige Seite, die tonnenweise Infos zur Verfügung stellt. Von allen relevanten Statistiken über Vorstellungen bekannter und weniger bekannter Akteure bis hin zur obligatorischen Vorschau aller Spiele findet man hier alles, was man wissen kann, soll und muss.

ESPN: Zur Vorbereitung auf einige Spiele sind die "Must Reads" etwas weiter unten zu empfehlen, da hier nicht nur bekannte Spieler ausführlich vorgestellt werden. Insgesamt nicht ganz so informativ wie collegehoopsnet, dürfte aber für die aktuelle Berichterstattung während des Turniers erste Wahl sein.

Draftexpress.com: Stellt keine überragende Quelle dar, wenn es um Vorschauen geht, dafür kann man sich über die NBA-Prospects eingehend informieren. Der Mockdraft auf der ersten Seite hilft dabei, die interessanteren Spieler sofort zu finden. Für alle, die eher auf Individualisten mit Fokussierung auf mögliche NBA-Stars achten wollen.

Crossover: In Deutschland bietet wohl Crossover die beste Infoquelle redaktioneller Art, wenn es um das Final Four geht. Eher empfehlen würde ich allerdings das Aufsuchen von Foren wie schoenen-dunk.de oder eben jenes von Crossover, da man hier wohl eher aktuelles und wissenswertes mitnehmen kann.

Montag, 15. März 2010

Abseits des Hypes

Es ist nicht einmal zwei Jahre her, als etliche Fans und Experten gleichermaßen die Tage runterzählten, bis Kevin Durants Rookie-Vertrag auslaufen und er Oklahoma City endlich verlassen würde. Einziger Lichtblick in einem hoffnungslosen, untalentierten Team; zu gut, um in Oklahoma City zu versauern - das waren die einhelligen Meinungen. Das hat sich mittlerweile geändert, denn mit einem Kader, der nicht durch große Trades beeinflusst wurde, kämpfen die Thunder mittlerweile um den Heimvorteil in den Playoffs. Dass sie selbige erreichen werden, steht außer Frage und hätte ich mir vor Saisonbeginn nur schwer vorstellen können. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich eher die Clippers in der Endrunde sah. Das war aber natürlich, bevor der Clippers-Fluch auch Blake Griffin traf und ich schockiert feststellen musste, dass Mike Dunleavy noch mehr dämliche Entscheidungen als sonst traf. Und das war schon schwer vorstellbar.

Sei's drum, es geht ja um die Thunder. Wie gesagt: Die Entwicklung hätte ich ihnen nicht zugetraut und mittlerweile sehe ich mir die Spiele von ihnen sehr gerne an, da sie ihren Spielstil des letzten Jahres beibehalten haben: Schnell nach vorne, bei guten Würfen wird nicht lange gefackelt, super athletisches Team (in Ordnung, Krstic und Collison klammere ich bei dem Attribut aus. Aber habt ihr mal Serge Ibaka gesehen? Unglaublich. Who the fuck is B.J. Mullens?). Wer sich nun mit Basketball auskennt, weiß aber, dass in den Playoffs andere Qualitäten gefragt sind. Defensive zum Beispiel, dazu wird in der Regel kaum ein Fastbreak zugelassen. Was übrigens nur zwei von zig Gründen sind, weshalb ich immer noch für ein Aufeinandertreffen von Phoenix und Oklahoma City in den Playoffs bin. Die Serie würde alle Playoff-Gesetze ad absurdum führen (OK, das habe ich schon mal geschrieben, aber ich wiederhole es gerne): Null Defensive, hohes Tempo und trotzdem Mannschaften, Durant wäre ein Kandidat für einen Schnitt weit jenseits der dreizig und das Duell Nash gegen Westbrook wäre ein echter Shootout. Wobei Nash mit seinen Spielmacher-Qualitäten eher den kürzeren ziehen würde, was Scoring angeht.

Ja, richtig gelesen, ich halte Westbrook defensiv für eine Katastrophe und ebenso kaum für einen echten Spielmacher. Haut mir 8,0 Assists im Schnitt um die Ohren, führt seine beinahe eineinhalb Ballgewinne pro Spiel an - obwohl ich ja erst kürzlich meine Meinung zu den Statistiken abgegeben habe - aber wenn ihr damit fertig seid, schaut euch mal ein Spiel von ihm an. Ich nehme mal als Beispiel das der Thunder gegen die Jazz vergangene Nacht, da es den Vorteil bietet, dass mit Deron Williams unumstritten einer der besten Point Guards der NBA am Werk ist (für mich nach Chris Paul der zweitbeste).

Der Boxscore weist 30 Punkte, elf Assists und einen Steal für die Nummer Null der Thunder aus, soweit also ganz nett und vorgaukelnd, dass er es seinen Mitspielern richtig einfach gemacht haben muss, zu Punkten zu kommen. Ehrlich gesagt habe ich während des gesamten Spiels nichts davon gesehen: Westbrook ist, das gebe ich mehr als gerne zu, unglaublich stark im Fullcourt, weil er das Spiel extrem beschleunigen kann, und kann auf beinahe unheimliche Art und Weise Würfe aus dem Dribbling kreieren. Unheimlich deshalb, weil er keine Tendenzen erkennen lässt: Nimmt er den Midrange-Jumper, der bis kurz vor die Dreierlinie reicht? Probiert er den noch nicht ganz sicheren Floater? Zieht er bis zum Brett durch? So weit, so gut. Aber spektakuläre Assists? Fehlanzeige. Er hätte es so einfach, aus dem Dribbling heraus den einfach Kick-Out zu spielen oder zu einem Spieler am Korb durchzustecken. Er lässt diese Art spektakulärer Pässe vermissen, die messerscharf durch die Verteidigung schneiden und den zum Korb ziehenden Spieler so treffen, dass er direkt zum Dunk ansetzen kann. Die quer über die Zone zum völlig freien Distanzschützen in der Ecke fliegen. Die einen aus dem Screen sprintenden Spieler so früh finden, dass dieser alle Zeit der Welt hat (Es ist ein riesiger Unterschied, ob der Pass gespielt wird, wenn der Spieler schon aus dem Screen ist oder genau im passmoment den Screen ausnutzt. Kurz gesagt: Es ist der Unterschied zwischen einem "Wie zur Hölle ist er auf einmal so frei?"-Wurf und einem hastigeren Turnaround, der im schlimmsten Falle sogar noch extrem gut verteidigt wird). Kurz gesagt: Ihm fehlen die Momente, die uns wirklich großartige Point Guards erkennen lassen. Das macht er zwar durch Scoring wett, aber ich weigere mich, ihn als einen starken Point Guard anzusehen. Pässe aus Setplays heraus oder auf Durant, der die Isolation beängstigend gut ausnutzt, erfordern keine großen Fähigkeiten.

In einem vor kurzer Zeit veröffentlichten Beitrag im NBA-Blog erwähnt der Verfasser - Dmitrij Karle - mehrmals die guten Verteidigungsqualitäten Westbrooks. Tatsächlich wurde er 2008 für das collegeinsider.com All Defensive Team nominiert. Wieso, ist mir zumindest allerdings schleierhaft. Im Spiel gegen die Jazz konnte er Williams nicht ansatzweise verteidigen. Kein Wunder, dass alsbald Schadensbegrenzung betrieben und Thabo Sefolosha gegen den Point Guard der Jazz gestellt wurde. Was dazu führte, dass Wes Matthews als Shooting Guard einen persönlichen Punkterekord für ein NBA-Spiel aufstellte. Aber was genau brandmarkt ihn als einen für mich desolaten Verteidiger? Da wäre zum einen die absolute Nicht-Fähigkeit, Williams vor sich zu halten. Klar ist Williams ein physischer Spieler, aber das erklärt noch lange nicht, dass er ein ums andere mal an Westbrook vorbeirennt, als wäre dieser quasi inexistent. Und natürlich hat Williams das auch gemerkt. Als Paradebeispiel dient das dritte Viertel und die Änderung in Williams' Spielstil, als Sefolosha mit dem vierten Foul auf die Bank muss. Erschwerend hinzu kommt, dass Westbrook auf JEDEN Pump-Fake reingefallen ist, der gegen ihn versucht wurde. Vier- oder fünfmal segelte er völlig unnötig durch die Luft. Was ihm nicht so extrem anzukreiden ist, aber auffällig war: Das mangelnde Kämpfen durch Screens. Ich erwarte nicht, dass er den Blocks eines Centers einfach durchläuft, als wäre er nicht vorhanden. Aber so viel Zeit, wie die Jazz durch simple Blocks gegen Westbrook gewannen, ist ungewöhnlich. Und so dermaßen gut waren sie dann auch nicht, dass kein Guard eine Chance gehabt hätte. Kurz und (nicht) gut: Wer das Spiel sieht, fühlt sich stark an Steve Nash erinnert.

Das alles soll nicht dahin führen, dass ich Westbrook für einen schlechten Spieler halte - im Gegenteil: Er passt sehr gut zu den Thunder, da dort kein richtiger Point Guard gebraucht wird und er hat seine Qualitäten in der Offensive (nur eben nicht im Passen). Aber der Hype, der nach seinem Triple-Double und Double-Doubles am Fließband um ihn entstanden ist, erschließt sich mir nicht. Dafür sind seine Schwächen zu offenkundig. Genauso teile ich (noch) nicht den Hype um die Thunder, wenn es in die Playoffs geht: Sie sind gut, aber unerfahren. So ziemlich jeder Spieler wird sein Playoff-Debüt geben (meines Wissens nach sind bislang nur Collison, Krstic und Sefolosha in den Playoffs aufgelaufen), was gegen erfahrene Teams wie Utah oder Phoenix den Ausschlag geben kann. Gegen härtere Kaliber wie Dallas oder Denver (eigentlich nur möglich, wenn Oklahoma "nur" Sechster wird) sehe ich kaum eine Chance. Aber es wäre ja auch nicht das erste mal, dass ich mich in Bezug auf die Thunder irre.

Dienstag, 9. März 2010

Die deutsche Sicht der Dinge, 9.3.2010

Nach einer kleinen Flaute um die Monatswende rum haben alle mehr oder minder relevanten Basketballblogs in Deutschland erfreulicherweise wieder ihre Arbeit aufgenommen. Grund genug, zum zweiten Mal einen Überblick über die Gedanken der bloggenden Basketballfans in Deutschland zu geben.

Rote Laterne oder Alle Neune: In dem mehr als zu empfehlenden Blog über das aktuelle Schlusslicht der Basketball Bundesliga ist natürlich der Abstiegskampf das beherrschende Thema, inklusive folgender Schlussprognose: "Mit neun Siegen bleibt man drin in der BBL. Prognose: Mayday After Hour in Paderborn. Für die Feuervögel. Und dann wird die olle Laterne blau-gelb lackiert."

Top 5: Mavericks rücken vor, Lakers stürzen ab: Der NBA Blog widmet sich in seinem regelmäßigen Powerranking den besten Teams der Liga. Nach Siegen gegen Cleveland und die Lakers in jüngster Zeit kommen die Orlando Magic dementsprechend gut weg: "Pünktlich zum Beginn der heißen Phase in der regulären Saison sind die Orlando Magic wieder voll da. Die vergangenen fünf Partien wurden allesamt gewonnen, von den letzten zehn Begegnungen ging man stolze acht Mal als Sieger vom Parkett. Bei vier Siegen Vorsprung auf die drittplatzierten Boston Celtics ist der zweite Rang in der Tabelle der Eastern-Conference momentan fest in Orlandos Hand. Der gestrige Erfolg über die Lakers dürfte der Mannschaft aus Floria darüber hinaus zusätzliches Selbstvertrauen eingeimpft haben."

Bill Walker im Portrait: NBA Blog, die zweite - diesmal mit einem Portrait über den bislang eher selten in Erscheinung getretenen Neu-New Yorker. Im Gegensatz zu mir sieht Dmitrij Karle auch in der Zukunft mehr Licht als Schatten für den Swingman: "Vielleicht war der Trade zu den New York Knicks wie eine Erlösung, als die Celtics Walker, J.R. Giddens und Eddie House für den dreimaligen Dunk-Champion Nate Robinson abgaben. Dass Walker Potential besitzt, steht außer Frage. Anscheinend hat Knicks-General-Manager Donnie Walsh ein feines Nässchen für Talente. (...) Wie es aussieht, haben die Knicks einen Coup gelandet. Und Walker ist erst 22 Jahre jung und zeigt schon jetzt, warum er immer wieder mit „Vincanity“ höchstpersönlich verglichen wird."

NBA Draft Watch: Elias Harris: Rechtzeitig vor Beginn der March Madness und somit des alljährlichen Höhepunktes des Collegebasketballs schreibt korbsport.de über die wohl größte deutsche Nachwuchshoffnung: "Ehrlich gesagt hätte ich vor einem Jahr nicht gedacht, dass ein derartiger Hype um den explosiven deutschen Nationalspieler entfacht. Die Lobpreisungen des Freshman listen ihn in diversen Mockdrafts irgendwo in der ersten Runde. Doch Anfang Februar 2010 meldete die Spokesman, die Lokalzeitung in Spokane, Washington, dass Harris vermutlich für seine Sophomore-Saison zurückkehren wird."

Mavs on Fire!: max10.de befasst sich mit dem jüngsten Aufwärtstrend der Dallas Mavericks und sieht jenseits des Hypes durchaus Substanz in den Leistungen der Texaner: "Seit dem Trade, der vor einigen Wochen Brendan Haywood und Caron Butler zu den Mavs gebracht hat, sind diese nicht mehr zu stoppen. Aber liegt es wirklich nur an diesem Trade? Denn die 11 Siege waren nicht irgendwelche Teams, sondern unter Anderem gegen die Lakers, die Phoenix Suns, in Orlando oder Atlanta – alles Top Teams, mit denen es ein Wiedersehen in den Playoffs geben könnte."

Eine Hauptrunde live im DSF: Gruebelei.de blickt auf die noch laufende BBL-Saison aus TV-Sicht zurück und stellt in diesem mehr als lesenswerten Eintrag fest, was sich wohl schon alle gedacht haben: "Die Teams der Tabellenspitze, die Teams, die auch letzte Saison Liga und Pokal gerockt haben, bekommen die größte Exposure. Dazu Frankfurt (überrascht das jemanden?) und dann die weiteren Playoffkandidaten Brose, Braunschweig, Dragons, Lubu, Tübingen. Wenig gezeigt ist die “Überraschungsmannschaft” Göttingen. Woran das liegt, kann man vortrefflich spekulieren… spannende Spiele zu falschen Terminen? Sowas kann eine rolle Spielen, schließlich hat sich mittlerweile Samstagabendprimetime als BBL-Termin im DSF herauskristallisiert."

Alles wird gut: Das New York Knickerbocker Journal blickt optimistisch in die Zukunft am Big Apple, was - trotz des unerwartet wie verdienten Sieges gegen die Atlanta Hawks vergangene Nacht - nicht an den aktuellen sportlichen Leistungen liegt, sondern sich (wie sollte es anders sein?) auf den Sommer bezieht. Ein bisher selten behandelter Aspekt - wer spielt neben den wohl kommenden Stars? - wird dabei in den Vordergrund gerückt: "Doch auch diese Fakten lösen bei mir kein positives Gefühl und Gelassenheit aus. Ich verstehe einige Entscheidungen besser. Die Entscheidung, Nate Robinson abzugeben ist ein Puzzlestück, welches es den Knicks erlaubt, auch mit kleinen Verträgen drei weitere Spieler im Kader fürs kommende Jahr zu haben.
J.R. Giddens und Bill Walker sind eh in Ihren Rookie Verträgen, Eddie House wird ebenfalls beim Team bleiben wollen wenn der Umbruch kommt. Dies bedeutet, dass neben den drei Genannten insgesamt 9 Spieler unter Vertrag stehen (können) – und da wurde an den $30 Mio. aus Donnie’s Save noch gar nicht gekratzt."

Interview mit Maik Zirbes: waskommtnachdirk.de hat mit der deutschen Centerhoffnung ein ausführliches Interview über die aktuelle sportliche Lage in Trier, die Aufstiegschancen mit den Saar Pfalz Braves, Quotenregelungen in der BBL und die eigene Zukunft geführt. Dass es bei einem 20-jährigen noch Potential nach oben gibt, ist klar, und Zirbes selber sagt auch, wo er sich verbessern will: "Insgesamt muss ich einfach noch konstanter werden: einfach jedes Mal zum Rebound gehen, an der Defensive von außen arbeiten, am Ballhandling, am Wurf. Außerdem sollte ich wieder etwas stämmiger werden. Es gibt viele Dinge, bei denen ich mich noch verbessern will."

Montag, 8. März 2010

Point Guard gesucht, Vol. 2

Der eine oder andere dürfte hoffentlich meinen Beitrag über die Charlotte Bobcats gelesen haben, in dem ich unter anderem einen Point Guard forderte bzw. mir einen solchen dort wünschte, um das Team ca. zehn Siege besser zu machen. Nun ist es so, dass ich gerade zum dritten Mal binnen einer Woche ein Spiel der Detroit Pistons sehe und ich mir auch hier ständig denke: Wow, dem Team fehlt nur ein Point Guard.

Wer mir jetzt entgegen werfen will, dass das Rodney Stuckey sei - ich habe gehofft, ich habe immer noch Vertrauen in ihn, dass er ein guter Guard wird, aber eines weiß ich mittlerweile: Stuckey wird niemals ein Point Guard sein. Nie. Das wäre in etwa so, wie in Tyreke Evans einen Point Guard zu sehen. Er hält zwar oft genug den Ball in der Hand, aber mal ehrlich - wie oft versucht Stuckey, einen guten Wurf für seine Mitspieler zu kreieren? Eben, so gut wie nie. was ich ihm auch nicht verdenken will, da das gar nicht seine Stärke ist und er Detroit als Shooting Guard wohl viel mehr helfen kann.

Aber wieso fehlt dem Team ein Point Guard? Dazu habe ich nach den zweieinhalb Spielen eine einfache Antwort: Weil ihre Offensive grausam unkoordiniert ist. Das Talent, das in Detroit insgesamt vorhanen ist, steht in keinem Vergleich zu der niederschmetternden Bilanz von 21-41, die das Team aus Michigan aufweist. Vieles spricht dafür, dass der Draft 2009 mit Daye und Jerebko als einer der besseren in die Franchise-Geschichte eingehen wird. Hamilton, Gordon, Stuckey, Bynum - die Reihe an Guards, die heiß laufen können, ist beispiellos. Dazu noch erfahrene Spieler wie Maxiell, Wallace, Villanueva und Prince und man hat insgesamt eine scheinbar gute Mischung. Nur haben die wenigsten Spieler ein Interesse daran, den Ball abzugeben.

Was meint ihr, wie gut die Pistons auf einmal aussehen werden, sobald beispielsweise Steve Blake bei ihnen spielen würde? Ehrlich, ich hoffe, dass Detroit das Team zusammen hält und im Sommer Blake verpflichten kann. Hamilton hätte die Gewissheit, dass er den Ball kriegt, sobald er mittels Screen frei steht, Gordon spielt die Rolle, die ihm auch in Chicago lag - Spot Up-Shooter und gelegentlich der Abschluss aus dem Dribbling heraus. Stuckey als Slasher und tödliche Waffe aus der Mitteldistanz? Gerne doch. Auch Spieler wie Daye, Prince und Jerebko würden von einem Pass First-Guard profitieren und offene Würfe bekommen. Er muss nicht einmal besonders toll sein, mir würde schon ein Duo Blake/Duhon reichen. Ich bin mir sogar sicher, dass die Pistons mit so einem Aufbauduo (und einer verletzungsfreien Saison) ein sicheres Playoffteam sind. Nicht einmal bedeutend schlechter als der aktuelle Fünfte (Toronto Raptors), vielleicht sogar Zweitrundenmaterial, was der Optimalfall wäre.

Ach ja, eine Sache noch, die auch ohne Point Guard behoben werden kann: Würde bitte irgendwer aus dem Coaching Staff der Pistons Villanueva sagen, dass er nicht nur an der Dreierlinie rumlungern soll? und schon gar nicht so regelmäßig von jenseits des Dreierbogens abdrücken soll? Wie viele Fahrkarten darf er noch schießen, bis ihn mal jemand zur Räson ruft? Mich hat er während der letzten Partien an eine arme Version vom aktuellen Rasheed Wallace erinnert. Und ja, das war genauso fies gemeint, wie ihr gerade denkt.

Sonntag, 7. März 2010

Was Zahlen nicht ausdrücken

Es ist ein Phänomen, dass seit drei Jahren zunehmend um sich greift und momentan eine absolute Modeerscheinung im amerikanischen Basketball ist: Sog. Advanced Stats, die die klassischen Statistiken aus dem Boxscore kombinieren, um zum Beispiel die Effektivität eines Spielers auszudrücken oder die produzierten Siege. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das am Anfang ganz spannend ist und man denkt, dass man großartige Zusammenhänge realisiert, die einem vorher verborgen blieben. Dann fängt man an, sich etwas mehr mit den Statistiken zu beschäftigen und siehe da, man findet Statistiken, die mit der Realität rein objektiv wenig bis nichts zu tun haben. Gilbert Arenas hat in der aktuellen Spielzeit besser gespielt als Derrick Rose, Gerald Wallace oder Tyreke Evans? Wohl kaum, gleichwohl uns das PER dies weismachen will. Ebenso darf bezweifelt werden, dass Greg Oden der achteffektivste Spieler der Liga ist.

Wo für meinen Geschmack die Statistiken - auch die neu erfundenen, weitergehenden - versagen, ist vor allem in der Defensive. Bei mir stellen sich jedes Mal aufs Neue sämtliche Haare im Nacken auf, wenn ich Kommentatoren, Blogger oder Fans davon reden höre, dass Spieler X ein großartiger Verteidiger ist, weil er zwei Blocks oder Steals im Schnitt macht, da das die beiden einzigen Verteidigungsstatistiken sind, die im Boxscore auftauchen (neben defensiven Rebounds). Ist Andrea Bargnani ein guter Verteidiger, weil er 1,4 Blocks pro Spiel holt? Natürlich nicht, er wird immer noch von beinahe jedem Center im Post rumgeschubst. Samuel Dalembert ist ebenso ein mittelmäßiger Verteidiger, hat aber einen der höchsten Schnitte der Liga, was Blocks pro Spiel angeht. Noch abstruser wird die Fixierung auf diese Statistiken, wenn man sich die Steals ansieht: Monta Ellis ist alles andere als ein sehr guter Verteidiger, holt aber 2,1 Steals pro Spiel. Jason Kidd rangiert in dieser Kategorie auf Rang drei, obwohl er kaum einen Aufbau mehr vor sich halten kann. Beispiele lassen sich genügend finden.

Dagegen vermisse ich Statistiken, die sich mit wirklich relevanten Aspekten beschäftigen: Wie viele Punkte erzielt Spieler X gegen Dwyane Wade, wenn er im Eins gegen Eins spielt? Wie oft hält Amare Stoudemire seinen Gegenspieler davon ab, im Post gegen ihn zu scoren? Und wie viele Pump Fakes braucht es im Schnitt, damit Stoudemire segeln geht (vermutlich nicht allzu viele)? Wie oft holt Monta Ellis seine Steals "am Mann", also aus der eigentlichen Verteidigung heraus? Und wie oft holt er sie, indem er sich in den Passing Lanes rumtreibt, wohlwissend, dass die gesamte Verteidigung kollabiert, sollte er am Ball vorbei hechten? Das sind die Sachen, die mich interessieren und die eine wirkliche Aussagekraft haben. Ich bin mir sicher, dass in den Statistikbüros der NBA Teams diese Dinge längst evaluiert werden. Wie sehr sie den öffentlichen Stats voraus sind, zeigte zum Beispiel ein Interview mit Daryl Morey im vergangenen Jahr, als er Tracy McGrady verteidigte und davon sprach, dass dieser die meisten "True Assists" verteile. True Assists bezeichnet die Anzahl der Pässe, die zu völlig offenen Würfen führen, unabhängig davon, ob der Mitspieler den Ball durch die Reuse bringt oder nicht. Solche Statistiken zählen für mich, keine Effektivitätsrankings, die abenteuerliche Ergebnisse produzieren können.

Ganz abgesehen davon, dass es immer noch Sachen gibt, die Statistiken niemals ausdrücken können: Wie gut ist die Teamchemie? Reißen sich die fünf Spieler, die auf dem Parkett stehen, für die anderen den Allerwertesten auf? Oder ist ein fauler Apfel dabei, der eher an seinen eigenen Statistiken interessiert ist (Ricky Davis lässt grüßen)? Mit welchem Einsatz, mit wie viel Herz geht jemand zu Werke? Ist der Block, den jemand stellt, wirklich gut oder eher alibimäßig und der Spieler rollt sofort wieder in eine andere Position ab (zum Beispiel ist Tyson Chandler offensiv ein mehr als limitierter Spieler, stellt aber wahnsinnig gute Blocks)? Niemand hält das fest, obwohl es genauso zum Erfolg und Misserfolg der Teams beiträgt. Und das ist das schöne an Basketball: Man kann mit Statistiken versuchen, die Spieler individuell vergleichbar zu machen. Aber es ist und bleibt ein Teamsport und man muss das Spiel sehen, um jemanden fundiert beurteilen zu können.

Samstag, 6. März 2010

Bitte, bitte, lieber Basketballgott...

wenn du das hier liest, lass' die Charlotte Bobcats in die Playoffs kommen. Egal, wer der Gegner ist, es würde eine spannende Serie werden, die da auf uns wartet. Dieses Team hat mich während des 98:83-Sieges gegen die Los Angeles Lakers - die im Übrigen eine erschreckende Allergie gegen Auswärtsspiele haben und die Frage aufwerfen, ob man mit einer Bilanz von 10-10 auf fremden Parkett seit Weihnachten den Titel wirklich verteidigen kann - zutiefst beeindruckt. Die Verteidigung, die man in den beiden mittleren Spielabschnitten gespielt hat, war wie von einem anderen Planeten: Lediglich 37 Punkte ließ man zu, schaffte es dabei, im zweiten Viertel die Lakers über drei Minuten ohne einen Wurfversuch (!) zu halten und produzierte zweistellige Turnover-Zahlen bei den Lila-Gelben. Das dabei angewandte System, bestehend aus dem Doppeln des Spielaufbaus, dem ständigen Sprint in die Passwege und einer minimalen Anfälligkeit für Wurffinten, erfindet die Verteidigung zwar nicht neu, wird von den Bobcats aber nahezu perfekt umgesetzt.

Ebenso beeindruckend ist das Shotblocking, wobei ich hier Tyrus Thomas lobend erwähnen muss. Ich hielt ihn lange Zeit für einen zwar athletischen, aber insgesamt doch recht überschätzten Forward, der dazu nicht gerade der umgänglichste Kollege im Locker Room sein soll. Nun ist es nicht so, als ob sich letzteres großartig geändert hätte - dazu muss man nur einen halben Monat zurück recherchieren, warum ihn die Bulls getradet haben und er wird auch nie der Spieler sein, der einem Team zur Meisterschaft verhilft, solange er sein Verhalten nicht ändert (lies: Ego hinten anstellt), aber was er definitiv ist: Einer der besten Help-Defender, die momentan auf NBA-Parkett rumlaufen. Wie schnell er sowohl Pass- als auch Laufwege antizipiert, sein Timing beim Blocken oder Versuch des selbigen (womit er Gasol und Bynum zu extrem schweren Würfen zwang, die oftmals ihr Ziel deutlich verfehlten) und die Verteidigung im Pick and Roll, bei der ihm seine Athletik und Beweglichkeit eindeutig zu Gute kommt, malen insgesamt das Bild eines exzellenten Aushilfsverteidigers.

Ebenso interessant ist der offensive Spielstil der Bobcats. In Ermangelung eines echten Go-to-Guys (und nein, Stephen Jackson ist keiner) und eines wirklich sicheren Distanzschützen (Jackson ist einer, aber wird ständig am Mann verteidigt) arbeiten die Bobcats viel im Screen and Roll bzw. Pick and Roll, um sich jede bietende Chance zu nutzen, zum Korb zu ziehen. Das Resultat sind zwar insgesamt nicht wirklich viele Punkte, aber extrem viele Freiwurfversuche (die Differenz zwischen eigenen und gegnerischen Freiwurfversuchen liegt bei über +300) und Foulprobleme der Gegner. Da so ziemlich jeder Flügelspieler der Bobcats freudig zum Korb zieht, sind dabei selbst gegnerische Guards selten von den Foulproblemen ausgenommen. Was jedoch offensichtlich fehlt, ist noch ein klassischer Point Guard, der über ein gutes Entscheidungsvermögen verfügt. Zwar wären die Bobcats dann immer noch weit von einem Titelaspiranten entfernt - mit Thomas im Team und Wallace sowie Jackson als erste Angriffsoptionen darf man nie an eine Meisterschaft denken -, aber ich stelle mir jedes Mal, wenn ich Charlotte sehe, vor, dass man zum Beispiel mit einem Andre Miller als Aufbau auf 45 bis 50 Saisonsiege und den vierten oder fünften Platz im Osten kommen könnte.

Um die Eingangs gestellte Bitte zu erläutern: Lest euch noch einmal durch, was die Stärken der Bobcats sind- offensiv und defensiv -, falls ihr im Kopf wieder woanders seid. Fertig? Gut. Dann fragt euch jetzt, was euch beim Stichwort "Playoffbasketball" einfällt. Die Bobcats SIND Playoffbasketball. Dieses Team scheint für die Endrunde gemacht zu sein. Knallharte Verteidigung, langsames Spieltempo, guter, alter Halbfeldbasketball. Natürlich würden sie keine Serie gegen Cleveland (mehr als den achten Platz traue ich Ihnen nicht zu und wer soll die Cavs von Rang Eins verdrängen?!) gewinnen. Aber sie würden einen echten Prüfstein darstellen, die Chance auf eine sechs Spiele dauernde Serie haben und feststellen können, dass Ihnen gar nicht so viel fehlt, um ein Aspirant auf die zweite Runde zu sein.

Dienstag, 2. März 2010

Quo vadis, Denver?

Zugegeben, als momentan drittplatzierter der Western Conference erscheint die Überschrift ein wenig ketzerisch. Umso mehr, da ich kein großer Fan davon bin, aus irgendwelchen Auftritten Anfang März Rückschlüsse auf mögliche Playoffs zu ziehen (obwohl ich genau das mit meinem vorherigen Blogeintrag getan habe - sei's drum...). Aber ich kann nicht anders, als nach den beiden letzten Auftritten der Denver Nuggets in Los Angeles und Phoenix einige Sachen zu bemängeln, die sich bis zum Beginn der Playoffs in der Mile High City ändern sollten, will man erneut die Western Conference Finals oder sogar mehr erreichen. Und vorweg sei gesagt, dass ich mir durchaus im klaren darüber bin, dass mit Ty Lawson sowie Chris Andersen zwei Drittel der Bank Denvers entweder total ausfielen bzw. im Falle von Andersen angeschlagen waren und dann ausfielen. Dennoch sind die folgenden Probleme eher substantieller Natur und nicht nur auf das Fehlen einiger Spieler zurückzuführen.

Da wäre zum Beispiel Kenyon Martin - defensiv macht der ehemalige Nummer Eins-Pick zwar nach wie vor einen super Job, aber offensiv war seine Entscheidungen selten die cleversten. Im speziellen geht es dabei um seinen Wurf aus der Mitteldistanz, der zwar alles andere als sicher fällt - gegen Phoenix produzierte er völlig unbedrängt einen Airball - aber dennoch gerne genommen wird. Matt Moore schrieb nach dem Lakers-Spiel dazu: "The Nuggets have relied on Martin's mid-range J way too much this season. It's one of those shots that is nice to have, but that you can't rely on. And when the Nuggets came to rely on it today, with Ron Artest smothering Anthony and no other wing offense being produced, they choked on it." Womit eigentlich schon fast alles dazu gesagt ist: Es ist eine Sache, wenn Martin ab und zu auf einer Distanz von 15 oder mehr Fuß wirft, weil die Wurfuhr abläuft und keine andere Optionen verfügbar sind. Es ist aber eine völlig andere, wenn Martin diese Würfe regelmäßig nimmt, weil er denkt, dass sie fest in seinem Repertoire sind. Jeder Gegner wird Martin aus dieser Distanz gewähren lassen und nach den beiden Niederlagen dürfte Denver gemerkt haben, dass Martin sich weiterhin eher um Putbacks kümmern sollte. Negativer Nebeneffekt dieser grausamen Würfe: Nene, den ich als offensiv vielfach potenter ansehe als seinen Nebenmann, kriegt nicht ansatzweise häufig genug den Ball im Post, womit das Offensivspiel Denvers phasenweise zum Erliegen kommt.

Der nächste Punkt, der besonders auffiel: J.R. Smith von der Bank kann einem Coach eigentlich nur Kopfschmerzen bereiten. Bestes Beispiel dafür sein Auftritt in Phoenix, als er bis Mitte des dritten Viertels einen schlechten Wurf nach dem anderen nahm, lediglich einen Fastbreak-Dunk versenkte und großen Anteil daran hatte, dass Phoenix das Spiel binnen 18 Minuten entschied. Wieso in Gottes Namen nimmt er einen Dreier, wenn er keine feste Position hat und Channing Frye direkt vor ihm steht? Wieso wirft er aus der Bedrängnis heraus einen Airball, statt auf den völlig frei stehenden Anthony zu passen, als immerhin noch drei Sekunden auf der Wurfuhr waren? Solche Sequenzen sind mehr als frustrierend, wenn man sich vergegenwärtigt, welches Talent in dem Shooting Guard schlummert. Dass er es kann, bewies er in der Endphase des Spiels gegen Phoenix, als er plötzlich seine Würfe traf und sein Spiel laut Boxscore insgesamt sogar halbwegs passabel zu sein schien. wer das Spiel selber gesehen hat, weiß aber, dass dem nicht so war. Ich bzeweifel mittlerweile sehr stark, dass Denver mit Smith als wichtigstem Bankspieler wirklich reif für den Titel ist. Er kann an guten Tagen den Unterschied machen, aber die Gefahr, dass er sein Team mit seiner egozentrischen Spielweise killt, ist immer gegeben. Ich will nicht die beiden Niederlagen an ihm alleine festmachen, aber er trägt gewiss seinen Anteil daran.

Der Punkt, der Denver aber am meisten Sorgen amchen sollte, ist die Krise, die Carmelo Anthony momentan durchläuft. Er kriegt zwar nach wie vor oft genug den Ball in der Offensive, aber seine Effektivität steht mittlerweile in keinem Vergleich mehr zu den exzellenten Auftritten, die er bis zu seiner Verletzung im Januar gezeigt hat. So zeigt er in letzter Zeit ein ungewohnt zittriges Händchen von der Freiwurflinie (20-34 in den letzten vier Spielen) und auch seine Wurfauswahl im Spiel selber lässt zu Wünschen übrig: Für meinen Geschmack nimmt er viel zu häufig den Wurf aus der Mitteldistanz, wenn es bei ihm nicht läuft, obwohl er gerade dann zum Korb ziehen sollte. Seine Versuche von jenseits der Dreierlinie wirken ebenfalls zu oft erzwungen und selten seinem Rhythmus und dem Rhythmus des Spiels angepasst. Mir ist klar, dass er nicht jeden Abend Galauftritte wie jenen in Cleveland abliefern kann, aber in seiner momentanen Verfassung kann Anthony das Team kaum tragen, obwohl die Nuggets nur mit einem Anthony in Bestform eine Chance auf den Titel haben werden.

Umso tödlicher sind seine momentan Schwierigkeiten in der Offensive, als dass er defensiv schon immer zu den schwächsten Akteueren auf dem Parkett gehörte. Eine weitere Kostprobe aus dem Phoenix-Spiel: Grant Hill spielt im ersten Viertel Eins gegen Eins mit Anthony im Fastbreak, steigt nach der üblichen Finte zum Layup hoch, während Anthony sich wegduckt, aber warum auch immer seinen Arm nach Hill ausstreckt und diesem so den Bonusfreiwurf schenkt. Dieses Verteidigungsverhalten hat schon etwas von Vince Carter, was nun wahrlich nicht als Kompliment gesehen werden kann. Dazu baute Phoenix seinen letztlich spielentscheidenden Lauf auf einem Spielzug auf, der lediglich einen Switch in der Defensive bewirkte: Anthony musste plötzlich Dragic verteidigen, während Hill Billups als Gegenspieler hatte und dementsprechend häufig in den Post zog. Wie man auf diesem Niveau einen so simplen Spielzug - im wesentlichen nur ein Screen - so dermaßen schlecht verteidigen kann wie Anthony und Billups, ist mir ein Rätsel. Ebenfalls auffällig ist, dass Hill und Artest zwar nicht die unbekanntesten Spieler der Liga sind, aber in diesem Jahr auch nicht für ihre offensiven Ausbrüche bekannt wurden. Dass beide nacheinander extrem starke Spiele mit Anthony als Verteidiger auflegen, darf nur bedingt als Zufall gewertet werden. Und es ist nie ein gutes Zeichen, wenn jemand wie Anthony von Grant Hill aus dem Dribbling heraus ausgespielt wird.

Insgesamt stehen die Nuggets natürlich immer noch sehr gut da, sie gelten zurecht als einer der größten Herausforderer Los Angeles' im Westen, aber die angesprochenen Probleme müssen bis Mitte April behoben werden, wenn es etwas mit dem Titel in Colorado werden soll. Es wird sicherlich helfen, wenn Ty Lawson wieder spielen kann, da er ein wichtiger Faktor von der Bank ist (Denver implodierte gegen Phoenix vor zuerst, als sich Billups und Anthony die erste Pause gönnten). Trotzdem muss man konstatieren, dass die letzten Wochen kaum nach dem Wunsch der Nuggets verliefen und es durchaus symbolisch gesehen werden darf, dass Dallas mit dem Sieg gegen Charlotte letzte Nacht auf den zweiten Platz im Westen kletterte.